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"Aber Czako, ich bitte Sie, das ist ja doch alles Unsinn. Und Sie wis sen es auch. Sie m"chten nur, ganz wie Rex, wenn auch aus einem andern Motiv, dem armen Lorenzen was am Zeug flicken, bloß weil Sie herausfühlen: das ist eine lautere Pers"nlich keit." "Da tun Sie mir unrecht, Stechlin. Ganz und gar. Ich bin auch fürs Lautere, wenn ich nur pers"nlich nicht in Anspruch genommen werde." "Nun, davor sind Sie sicher vom Brombeerstrauch keine Trauben. Im übrigen muß ich hier abbrechen und Sie bitten, mich auf ein Weilchen entschuldigen zu wollen. Ich muß da nämlich nach dem Forsthause hinüber, da drüben neben der Waldecke." "Aber Stechlin, was wollen Sie denn bei nem F"rster?" "Kein F"rster. Es ist ein Oberf"rster, zu dem ich will, und zwar derselbe, den Sie gestern abend bei meinem Papa gesehen haben. Oberf"rster Katzler, bürgerlich, aber doch beinah schon historischer Name." "So, so; jedenfalls nach dem, was mir Rex erzählt, ein brillanter Billardspieler. Und doch, wenn Sie nicht ganz intim mit ihm sind, find ich diesen Abstecher übertrieben artig." "Sie hätten recht, Czako, wenn es sich lediglich um Katzler handelte. Das ist aber nicht der Fall. Es handelt sich nicht um ihn, sondern um seine junge Frau." "A la bonne heure." "Ja, da sind Sie nun auch wieder auf einer falschen Fährte. So was kann nicht vorkommen, ganz abgesehen davon, daß mit Oberf"rstern immer schlecht Kirschen pflücken ist; die blasen einen weg, man weiß nicht wie ... Es handelt sich hier einfach um einen Teilnahmebesuch, um etwas, wenn Sie wollen, sch"n Menschliches. Frau Katzler erwartet nämlich." "Aber mein Gott, Stechlin, Ihre Worte werden immer rätselhafter. Sie k"nnen doch nicht bei jeder Oberf"rstersfrau, die erwartet, eine Visite machen wollen. Das wäre denn doch eine Riesenaufgabe, selbst wenn Sie sich auf Ihre Grafschaft hier beschränken wollten." "Es liegt alles ganz exzeptionell. Übrigens mach ich es kurz mit meinem Besuch, und wenn Sie Schritt reiten, worum ich bitte, so hol ich Sie bei Genshagen noch wieder ein. Von da bis Wutz haben wir kaum noch eine Stunde, und wenn wirs forcieren wollen, keine halbe." Und während er noch so sprach, bog er rechts ein und ritt auf das For sthaus zu. Woldemar hatte die Mitte zwischen Rex und Czako gehabt; jetzt ritten diese beiden nebeneinander. Czako war neugierig und hätte gern Fritz herangerufen, um dies und das über Katzler und Frau zu h"ren. Aber er sah ein, daß das nicht ginge. So blieb ihm nichts als ein Meinungsaustausch mit Rex. "Sehen Sie", hob er an, "unser Freund Woldemar, trabt er da nicht hin, wie wenn er dem Glücke nachjagte? Glauben Sie mir, da steckt ne Geschichte dahinter. Er hat die Frau geliebt oder liebt sie noch. Und dies merkwürdige Interesse für den in Sicht stehenden Erdenbürger. Übrigens vielleicht ein Mädchen. Was meinen Sie dazu, Rex ?" "Ach, Czako, Sie wollen ja doch nur h"ren, was Ihrer eignen frivolen Natur entspricht. Sie haben keinen Glauben an reine Verhältnisse. Sehr mit Unrecht. Ich kann Ihnen versichern, es gibt dergleichen." "Nun ja, Sie, Rex. Sie, der sich Frühgottesdienste leistet. Aber S techlin ..." "Stechlin ist auch eine sittliche Natur. Sittlichkeit ist ihm angeboren, und was er von Natur mitbrachte, das hat sein Regiment weiter in ihm ausgebildet." Czako lachte. "Nun h"ren Sie, Rex. Regimenter kenn ich doch auch. Es gibt ihrer von allen Arten, aber Sittlichkeitsregimenter kenn ich noch nicht." "Es gibts ihrer aber. Zum mindesten hats ihrer immer gegeben, sogar solche mit Askese." "Nun ja, Cromwell und die Puritaner. Aber long, long ago. Verzeihen Sie die abgedudelte Phrase. Aber wenn sichs um so feine Dinge wie Askese handelt, muß man notwendig einen englischen Brocken einschalten. In Wirklichkeit bleibt alles beim alten. Sie sind ein schlechter Menschenkenner, Rex, wie alle Konventikler. Die glauben immer, was sie wünschen. Und auch an unserm Stechlin werden Sie mutmaßlich erfahren, wie falsch Sie gerechnet haben. Im übrigen kommt da gerade zu rechter Zeit ein Wegweiser. Lassen Sie uns nachsehen, wo wir eigentlich sind. Wir reiten so immer drauflos und wissen nicht mehr, ob links oder rechts." 36 |  |
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