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Der Stechlin

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Rex, der von dem Wegweiser nichts wissen wollte, war einfach für Weiterreiten, und das war auch das richtige. Denn keine halbe Stunde mehr, so holte Stechlin sie wieder ein. "Ich wußte, daß ich Sie noch vor Genshagen treffen würde. Die Frau Oberf"rsterin läßt sich übrigens den He rren empfehlen. Er war nicht da, was recht gut war." "Kann ich mir denken", sagte Czako. "Und  was  noch  besser  war,  sie  sah  brillant  aus.  Eigentlich  ist  sie  nicht  hübsch,  Blondine  mit großen   Vergißmeinnichtaugen   und   etwas   lymphatisch;   auch   wohl   nicht   ganz   gesund.   Aber sonderbar,  solche  Damen,  wenn  was  in  Sicht  steht,  sehen  immer  besser  aus  als  in  natürlicher Verfassung, ein Zustand, der allerdings bei der  Katzler kaum vorkommt. Sie ist noch nicht volle sechs Jahre verheiratet und erwartet mit nächstem das Siebente." "Das ist aber doch unerh"rt. Ich glaube, so was ist Scheidungsgrun d." "Mir nicht bekannt und auch, offen gestanden, nicht sehr wahrscheinlich. Jedenfalls wird es die Prinzessin nicht als Scheidungsgrund nehmen." "Die Prinzessin?" fuhren Rex und Czako a tempo heraus. "Ja, die Prinzessin", wiederholte Woldemar. "Ich war all die Zeit über gespannt, was das wohl für  einen  Eindruck  auf  Sie  machen  würde,  weshalb  ich  mich  auch  gehütet  habe,  vorher  mit Andeutungen zu kommen. Und es traf sich gut, daß mein Vater gestern abend nur so ganz leicht drüber hinging, ich m"chte beinah sagen diskret, was sonst nicht seine Sache ist." "Prinzessin",  wiederholte  Rex,  dem  die  Sache  beinah  den  Atem  nahm.  "Und  aus  einem regierenden Hause?" "Ja, was heißt aus einem regierenden Hause? Regiert haben sie alle mal. Und soviel ich weiß, wird  ihnen  dies  ›mal  regiert  haben‹  auch  immer  noch  angerechnet,  wenigstens  sowie  sich’s  um Eheschließungen  handelt.  Um  so  großartiger,  wenn  einzelne  der  hier  in  Betracht  kommenden Damen auf alle diese Vorrechte verzichten und ohne Rücksicht auf Ebenbürtigkeit sich aus reiner Liebe vermählen. Ich sage ›vermählen‹, weil ›sich verheiraten‹ etwas plebeje klingt. Frau Katzl er ist eine Ippe-Büchsenstein." "Eine Ippe!" sagte Rex. "Nicht zu glauben. Und erwartet wieder. Ich bekenne, daß mich das am meisten schockiert. Diese Ausgiebigkeit, ich finde kein anderes Wort, oder richtiger, ich will kein andres finden, ist doch eigentlich das Bürgerlichste, was es gibt." "Zugegeben. Und so hat es die Prinzessin auch wohl selber aufgefaßt. Aber das ist gerade das Große an der Sache; ja, so sonderbar es klingt, das Ideale." "Stechlin, Sie k"nnen nicht verlangen, daß man das so ohne weiteres versteht. Ein halb Dutzend Bälge, wo steckt da das Ideale?" "Doch,  Rex,  doch.  Die  Prinzessin  selbst,  und  das  ist  das  Rührendste,  hat  sich  darüber  ganz unumwunden ausgesprochen. Und zwar zu meinem Alten. Sie sieht ihn "fter und m"cht’ ihn, glaub’ ich, bekehren, – sie ist nämlich von der strengen  Richtung und hält sich auch zu Superintendent Koseleger,  unserm  Papst  hier.  Und  kurz  und  gut,  sie  macht  meinem  Papa  beinah  den  Hof  und erklärt ihn für einen perfekten Kavalier, wobei Katzler immer ein etwas süßsaures Gesicht macht, aber natürlich nicht widerspricht." "Und  wie  kam  sie  nur  dazu,  Ihrem  Papa  gerade  Confessions  in  einer  so  delikaten  Sache  zu machen?" "Das war voriges Jahr, genau um diese Zeit, als  sie auch mal wieder erwartete. Da war mein Vater  drüben  und  sprach,  als  das  durch  die  Situation  gegebene  Thema  berührt  wurde,  halb diplomatisch, halb humoristisch von der K"nigin Luise, hinsichtlich deren der alte Doktor Heim, als der   K"nigin   das   ›Sechste   oder   Siebente‹   geboren   werden   sollte,   ziemlich   freiweg   von   der Notwendigkeit der ›Brache‹ gesprochen hatte." "Bißchen  stark",  sagte  Rex.  "Ganz  im  alten-Heim-Stil.  Aber  freilich,  K"niginnen  lassen  sich viel gefallen. Und wie nahm es die Prinzessin auf?" "Oh, sie war reizend, lachte, war weder verlegen noch verstimmt, sondern nahm meines Vaters Hand so zutraulich, wie wenn sie seine Tochter gewesen wäre. ›Ja, lieber Herr von Stechlin‹, sagte sie, ›wer A sagt, der muß auch B sagen. Wenn ich diesen Segen durchaus nicht wollte, dann mußt’ ich  einen  Durchschnittsprinzen  heiraten,  –  da  hätt’  ich  vielleicht  das  gehabt,  was  der  alte  Heim 37
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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