Title:

Der Stechlin

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

leiden  kann.  Manche  sagen  ›ci‹  und  manche  sagen  ›schi‹.  Bildungsprätentionen  sind  mir  fremd, aber man will sich doch auch nicht bloßstellen." Eine Treppe führte bis in den ersten Stock hinauf, eigentlich war es nur eine Stiege. Die Domina, nachdem sie die Herren bis an die unterste Stufe begleitet hatte, verabschiedete sich hier auf eine Weile. "Du wirst so gut sein, Woldemar, alles in deine Hand zu nehmen. Führe die Herren hinauf. Ich  habe  unser  bescheidenes  Klostermahl  auf  fünf  Uhr  angeordnet;  also  noch  eine  gute  halbe Stunde. Bis dahin, meine Herren." Oben war eine große Plättkammer zur Fremdenstube hergerichtet worden. Ein Waschtisch mit Finkennäpfchen und Krügen in Kleinformat war aufgestellt worden, was in Erwägung der beinah liliputanischen  Raumverhältnisse  durchaus  passend  gewesen  wäre,  wenn  nicht  sechs  an  eb enso vielen Türhaken hängende Riesenhandtücher das Ensemble wieder gest"rt hätten. Rex, der sich – ihn drückten die Stiefel – auf kurze zehn Minuten nach einer kleinen Erleichterung sehnte, bediente sich    eines    eisernen    Stiefelknechts,    während    Czako    sein    Gesicht    in    einer    der    kleinen Waschschüsseln begrub und beim Abreiben das feste Gewebe der Handtücher lobte. "Sicherlich Eigengespinst. Überhaupt, Stechlin, das muß wahr sein. Ihre Tante hat so was; man merkt doch, daß sie das Regiment führt. Und wohl schon seit lange. Wenn ich recht geh"rt, ist sie älter als Ihr Papa." "Oh, viel; beinahe um zehn Jahre. Sie wird sechsundsiebzig." "Ein respektables Alter. Und ich muß sagen, wohl konserviert." "Ja,  man  kann  es  beinahe  sagen.  Das  ist  eben  der  Vorzug  solcher,  die  man  ›schlank‹  nennt. Beiläufig ein Euphemismus. Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren und die Zeit natürlich auch; sie kann nichts nehmen, wo sie nichts mehr findet. Aber ich denke – Rex tut mir übrigens leid,  weil  er  wieder  in  seine  Stiefel  muß  –,  wir  begeben  uns  jetzt  nach  unten  und  machen  uns m"glichst liebenswürdig bei der Tante. Sie wird uns wohl schon erwarten, um uns ihren Liebling vorzustellen." "Wer ist das?" "Nun, das wechselt. Aber da es bloß vier sein k"nnen, so kommt jeder bald wieder an die Reihe. Während  ich  das  letztemal  hier  war,  war  es  ein  Fräulein  von  Schmargendorf.  Und  es  ist  leicht m"glich, daß sie jetzt gerade wieder dran ist." "Eine nette Dame?" "O ja. Ein Pummel." Und  wie  vorgeschlagen,  nach  kurzem  "Sichadjustieren"  in  der  improvisierten  Fremdenstube, kehrten  alle  drei  Herren  in  Tante  Adelheids  Salon  zurück,  der  niedrig  und  verblakt  und  etwas altmodisch  war.  Die  M"bel,  lauter  Erbschaftsstücke,  wirkten  in  dem  niedrigen  Raume  beinah grotesk, und die schwere Tischdecke, mit einer mächtigen, ziemlich modernen Astrallampe darauf, paßte  schlecht  zu  dem  Zeisigbauer  am  Fenster  und  noch  schlechter  zu  dem  über  einem  kleinen Klavier hängenden Schlachtenbilde: "K"nig Wilhelm auf der H"he von Lipa". Trotzdem hatte dies stillose Durcheinander etwas Anheimelndes. In dem primitiven Kamin – nur eine Steinplatte mit Rauchfang – war ein Holzfeuer angezündet, beide Fenster standen auf, waren aber durch schwere Gardinen  so  gut  wie  wieder  geschlossen,  und  aus  dem  etwas  schief  über  dem  Sofa  hängenden Quadratspiegel wuchsen drei Pfauenfedern heraus. Tante Adelheid hatte sich in Staat geworfen und ihre Karlsbader Granatbrosche vorgesteckt, die der  alte  Dubslav  wegen  der  sieben  mittelgroßen  Steine,  die  einen  gr"ßeren  und  buckelartig vorspringenden umstanden, die "Sieben-Kurfürsten-Brosche" nannte. Der hohe hagere Hals ließ die Domina   noch   gr"ßer   und   herrischer   erscheinen,   als   sie   war,   und   rechtfertigte   durchaus   die brüderliche  Malice:  "Wickelkinder,  wenn  sie  sie  sehen,  werden  unruhig,  und  wenn  sie  zärtlich wird, fangen sie an zu schreien." Man sah ihr an, daß sie nur immer vorübergehend in einer h"heren Gesellschaftssphäre gelebt hatte, sich trotzdem  aber zeitlebens der angeborenen Zugeh"rigkeit zu eben  diesen  Kreisen  bewußt  gewesen  war.  Daß  man  sie  zur  Domina  gemacht  hatte,  war  nur  zu billigen.  Sie  wußte  zu  rechnen  und  anzuordnen  und  war  nicht  bloß  von  sehr  gutem  natürlichem Verstand, sondern unter Umständen auch voller Interesse für ganz bestimmte Personen und Dinge. Was aber, trotz solcher Vorzüge, den Verkehr mit  ihr so schwer machte, das war die tiefe Prosa 40
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum