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Der Stechlin

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Der  Garten  war  von  sehr  ländlicher  Art.  Durch  seine  ganze  Länge  hi n  zog  sich  ein  von Buchsbaumrabatten  eingefaßter  Gang,  neben  dem  links  und  rechts,  in  wohlgepflegten  Beeten, Rittersporn  und  Studentenblumen  blühten.  Gerade  in  seiner Mitte weitete sich der sonst schmale Gang  zu  einem  runden  Platz  aus,  darauf  eine  große  Glaskugel  stand,  ganz  an  die  Stechliner erinnernd,  nur  mit  dem  Unterschied,  daß  hier  das  eingelegte  blanke  Zinn  fehlte.  Beide  Kugeln stammten natürlich aus der Globsower "grünen Hütte". Weiterhin, ganz am Ausgang des Gartens, wurde man eines etwas schiefen Bretterzaunes ansichtig, mit einem Pflaumenbaum dahinter, dessen einer Hauptzweig aus dem Nachbargarten her in den der Domina herüberreichte. Rex  führte  die  Tante.  Dann  folgte  Woldemar  mit  Hauptmann  Czako,  weit  genug  ab  von  dem voraufgehenden Paar, um ungeniert miteinander sprechen zu k"nnen. "Nun,  Czako",  sagte  Woldemar,  "bleiben  wir,  wenn’s  sein  kann,  noch  ein  bißchen  weiter zurück. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie gern ich in diesem Garten bin. Allen Ernstes. Ich habe hier nämlich als Junge hundertmal gespielt und in den Birnbäumen gesessen; damals standen hier noch etliche, hier links, wo jetzt die Mohrrübenbeete stehen. Ich mache mir nichts aus Mohrrüben, woraus  ich  übrigens  schließe,  daß  wir  heute  welche  zu  Tisch  kri egen.  Wie  gefällt  Ihnen  der Garten?" "Ausgezeichnet. Es ist ja eigentlich ein Bauerngarten, aber doch mit viel Rittersporn drin. Und zu jedem Rittersporn geh"rt eine Stiftsdame." "Nein, Czako, nicht so. Sagen Sie mir ganz ernsthaft, ob Sie solche Gärten leiden k"nnen." "Ich kann solche Gärten eigentlich nur leiden, wenn sie eine Kegelbahn haben. Und dieser hier ist  wie  geschaffen  dazu,  lang  und  schmal.  Alle  unsre  modernen  Kegelbahnen  sind  zu  kurz,  wie früher alle Betten zu kurz waren. Wenn die Kugel aufsetzt, ist sie auch schon da, und der Bengel unten  schreit  einen  an  mit  seinem  ›acht  um  den  K"nig‹.  Für  mich  fängt  das  Vergnügen  erst  an, wenn das Brett lang ist und man der Kugel anmerkt, sie m"chte links oder rechts abirren, aber die eingeborene  Gewalt  zwingt  sie  zum  Ausharren,  zum  Bleiben  auf  der  rechten  Bahn.  Es  hat  was Symbolisches oder Pädagogisches oder meinetwegen auch Politisches." Unter diesem Gespräche waren sie, ganz nach  unten hin, bis an die Stelle gekommen, wo der nachbarliche Pflaumenbaum seinen Zweig über den Zaun wegstreckte. Neben dem Zaun aber, in gleicher Linie mit ihm, stand eine grüngestrichene Bank, auf der, von dem Gezweig überdacht, eine Dame  saß  mit  einem  kleinen  runden  Hut  und  einer  Adlerfeder.  Als  sich  die  Herrschaften  ihr näherten,  erhob  sie  sich  und  schritt  auf  die  Domina  zu,  dieser  die  Hand  zu  küssen;  zugleich verneigte sie sich gegen die drei Herren. "Erlauben    Sie    mir",    sagte    Adelheid,    "Sie    mit    meiner    lieben    Freundin,    Fräulein    von Schmargendorf,   bekannt   zu   machen.   Hauptmann   von   Czako,   Ministerialassessor   von   Rex   ... Meinen Neffen, liebe Schmargendorf, kennen Sie ja." Adelheid, als sie so vorgestellt hatte, zog ihre kleine Uhr aus dem Gürtel hervor und sagte: "Wir haben  noch  zehn  Minuten.  Wenn  es  Ihnen  recht  ist,  bleiben  wir  noch  in  Gottes  freier  Natur. Woldemar,   führe   meine   liebe   Freundin,   oder   lieber   Sie,   Herr   Hauptmann,   –   Fräulein   von Schmargendorf wird ohnehin Ihre Tischdame sein." Das Fräulein von Schmargendorf war klein und rundlich, einige vierzig Jahre alt, von kurzem Hals und wenig Taille. Von den sieben Sch"nheiten, über die jede E vastochter Verfügung haben soll, hatte sie soweit sich ihr "Kredit" feststellen ließ, nur die Büste. Sie war sich dessen denn auch bewußt und trug immer dunkle Tuchkleider mit einem Sammetbesatz oberhalb der Taille. Dieser Besatz bestand aus drei Dreiecken, deren Spitze nach unten lief. Sie war immer fidel, zunächst aus glücklicher Naturanlage, dann aber auch, weil sie mal geh"rt hatte: Fidelität erhalte jung. Ihr lag daran,  jung  zu  sein,  obwohl  sie  keinen  rechten  Nutzen  mehr  daraus  ziehen  konnte.  Benachbarte Adlige gab es nicht, der Pastor war natürlich verheiratet und Fix auch. Und weiter nach unten ging es nicht. Adelheid und Rex waren meist weit voraus, so daß man sich immer erst an der Glaskugel traf, wenn das voranschreitende Paar schon wieder auf dem Rückwege war. Czako grüßte dann jedesmal militärisch zur Domina hinüber. 42
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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