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Der Stechlin

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Diese  selbst  war  in  einem  Gespräch  mit  Rex  fest  engagiert  und  verhandelte  mit  ihm  über  ein bedrohliches Wachsen des Sektiererwesens. Rex fühlte sich davon getroffen, da er selbst auf dem Punkte stand, Irvingianer zu werden; er war aber Lebemann genug, um sich schnell zurechtzufinden und  vor  allem  auf  jede  nachhaltige  Bekämpfung  der  von  Adelheid  geäußerten  Ansichten  zu verzichten. Er lenkte geschickt in das Gebiet des allgemeinen Unglaubens ein, dabei sofort einer vollen   Zustimmung   begegnend.   Ja,   die   Domina   ging   weiter,   und   sich   abwechselnd   auf   die Apokalypse und dann wieder auf Fix berufend, betonte sie, daß wir am Anfang vom Ende stünden. Fix  gehe  freilich  wohl  etwas  zu  weit,  wenn  er  eigentlich  keinem  Tage  mehr  so  recht  traue.  Das seien   nutzlose   Beunruhigungen,   weshalb   sie   denn   auch   in   ihn   gedrungen   sei,   von   solchen Berechnungen Abstand zu nehmen oder wenigstens alles nochmals zu prüfen. "Kein Zweifel", so schloß sie, "Fix ist für Rechnungssachen entschieden talentiert , aber ich habe ihm trotzdem sagen müssen, daß zwischen Rechnungen und Rechnungen doch immer noch ein Unterschied sei." Czako hatte dem Fräulein von Schmargendorf den Arm gereicht; Woldemar, weil der Mittelgang zu schmal war, folgte wenige Schritte hinter den beiden und trat nur immer da, wo der Weg sich erweiterte, vorübergehend an ihre Seite. "Wie  glücklich  ich  bin,  Herr  Hauptmann",  sagte  die  Schmargendorf,  "lhre  Partnerin  zu  sein, jetzt schon hier und dann später bei Tisch." Czako verneigte sich. "Und  merkwürdig",  fuhr  sie  fort,  "daß  gerade  das  Regiment  Alexander  immer  so  vergnügte Herren hat; einen Namensvetter von Ihnen, oder vielleicht war es auch Ihr älterer Herr Bruder, den hab’ ich noch von einer Einquartierung in der Priegnitz her ganz deutlich in Erinnerung, trotzdem es schon an die zwanzig Jahre ist oder mehr. Denn ich war damals noch blutjung und tanzte mit Ihrem Herrn Vetter einen richtigen Radowa, der um jene Zeit noch in Mode war, aber schon nicht mehr so recht. Und ich hab’ auch noch den Namenszug und einen kleinen Vers von ihm in meinem AIbum. ›Jegor von Baczko, Secondelieutenant im Regiment Alexander.‹ Ja, Herr von Baczko, so kommt man wieder zusammen. Oder wenigstens mit einem Herrn gleichen Namens." Czako schwieg und nickte nur, weil er Richtigstellungen überhaupt nicht liebte; Woldemar aber, der jedes Wort geh"rt und in bezug auf solche Dinge kleinlicher als sein Freund, der Hauptmann, dachte,  wollte  durchaus  Remedur  schaffen  und  bat,  das  Fräulein  darauf  aufmerksam  machen  zu dürfen, daß der Herr, der den Vorzug habe, sie zu führen, nicht ein Herr von Baczko, sondern ein Herr von Czako sei. Die  kleine  Rundliche  geriet  in  eine  momentane  Verlegenheit;  Czako  selbst  aber  kam  ihr  mit großer Courtoisie zu Hilfe. "Lieber  Stechlin",  begann  er,  "ich  beschw"re  Sie  um  sechsundsechzig  Schock  sächsische Schuhzwecken,  kommen  Sie  doch  nicht  mit  solchen  Kleinigkeiten,  die  man  jetzt,  glaub’  ich, Velleitäten  nennt.  Wenigstens  hab’  ich  das  Wort  immer  so  übersetzt.  Czako,  Baczko,  Baczko, Czako  –  wie  kann  man  davon  so  viel  Aufhebens  machen.  Name,  wie  Sie  wissen,  ist  Schall  und Rauch,  siehe  Goethe,  und  Sie  werden  sich  doch  nicht  in  Widerspruch  mit  dem  bringen  wollen. Dazu reicht es denn doch am Ende nicht aus." "Hihi." "Außerdem, ein Mann wie Sie, der es trotz seines Liberalismus fertig bringt, immer seinen Adel bis  wenigstens  dritten  Kreuzzug  zurückzuführen,  ein  Mann  wie  Sie  sollte  mir  doch  diese  kleine Verwechslung ehrlich g"nnen. Denn dieser mir in den Schoß gefallene ›Baczko‹ ... Gott sei Dank, daß auch unsereinem noch was in den Schoß fallen kann ..." "Hihi." "Denn   dieser   mir   in   den   Schoß   gefallene   Baczko   ist   doch   einfach   eine   Rang-   und Standeserh"hung, ein richtiges Avancement. Die Baczkos reichen mindestens bis Huß oder Ziska, und  wenn  es  vielleicht  Ungarn  sind,  bis  auf  die  Hunyadis  zurück,  während  der  erste  wirkliche Czako noch keine zweihundert Jahre alt ist. Und von diesem ersten wirklichen Czako stammen wir doch  natürlich  ab.  Erwägen  Sie,  bevor  es  nicht  einen  wirklichen  Czako  gab,  also  einen  steifen grauen Filzhut mit Leder oder Blech beschlagen, eher kann es auch keinen ›von Czako‹ gegeben haben;  der  Adel  schreibt  sich  immer  von  solchen  Dingen  seiner  Umgebung  oder  seines  Metiers 43
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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