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Der Stechlin

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gebackenen  Schinken  erheblich  zugesprochen  hatte,  nahm  ein  zweites  Mal  auch  noch  von  dem Rebhuhngericht und fühlte das Bedürfnis, dies zu motivieren. "Eine  gesegnete  Gegend,  Ihre  Grafschaft  hier",  begann  er.  "Aber  freilich  heuer  auch  eine gesegnete  Jahreszeit.  Gestern  abend  bei  Dubslav  von  Stechlin  Krammetsv"gelbrüste,  heute  bei Adelheid von Stechlin Rebhuhnflügel." "Und was ziehen Sie vor?" fragte die Schmargendorf. "Im allgemeinen, mein gnädigstes Fräulein, ist die Frage wohl zugunsten ersterer entschieden. Aber hier und speziell für mich ist doch wohl der Ausnahmefall gegeben." "Warum ein Ausnahmefall?" "Sie haben recht, eine solche Frage zu stellen. Und ich antworte, so gut ich kann. Nun denn, in Brust und Flügel ..." "Hihi." "In Brust und Flügel schlummert, wie mir scheinen will, ein großartiger Gegensatz von hüben und drüben; es gibt nichts Diesseitigeres als Brust, und es gibt nichts Jenseitigeres als Flügel. Der Flügel   trägt   uns,   erhebt   uns.   Und   deshalb,   trotz  aller  nach  der  andern  Seite  hin  liegenden Verlockung, m"chte ich alles, was Flügel heißt, doch h"her stellen." Er  hatte  dies  in  einem  m"glichst  gedämpften  Tone  gesprochen.  Aber  es  war  nicht  n"tig,  weil einerseits die links ihm zunächst sitzende Triglaff aus purem Hochgefühl ihr Ohr gegen alles, was gesprochen wurde, verschloß, während andrerseits die Domina, nachdem der Diener allerlei kleine Spitzgläser herumgereicht hatte, ganz ersichtlich mit einer Ansprache beschäftigt war. "Lassen Sie mich Ihnen noch einmal aussprechen", sagte sie, während sie sich halb erhob, "wie glücklich  es  mich  macht,  Sie  in  meinem  Kloster  begrüßen  zu  k"nnen.  Herr  von  Rex,  Herr  von Czako, Ihr Wohl." Man  stieß  an.  Rex  dankte  unmittelbar  und  sprach,  als  man  sich  wieder  gesetzt  hatte,  seine Bewunderung über den sch"nen Wein aus. "Ich vermute Montefiascone." "Vornehmer, Herr von Rex", sagte Adelheid in guter Stimmung, "eine Rangstufe h"her. Nicht Montefiascone,  den  wir  allerdings  unter  meiner  Amtsvorgängerin  auch  hier  im  Keller  hatten, sondern Lacrimae Christi. Mein Bruder, der alles bemängelt, meinte freilich, als ich ihm vor einiger Zeit  davon  vorsetzte,  das  passe  nicht,  das  sei  Begräbniswein,  h"chstens  Wein  für  Einsegnungen, aber nicht für heitere Zusammenkünfte." "Ein Wort von eigenartiger Bedeutung, darin ich Ihren Herrn Bruder durchaus wiedererkenne." "Gewiß, Herr von Rex. Und ich bin mir bewußt, daß uns der Name gerade dieses Weines allerlei Rücksichten auferlegt. Aber wenn Sie sich vergegenwärtigen wollen, daß wir in einem Stift, einem Kloster sind ... und so meine ich denn, der Ort, an dem wir leben, gibt uns doch auch ein Recht und eine Weihe." "Kein  Zweifel.  Und  ich  muß  nachträglich  die  Bedenken  Ihres  Herrn  Bruders  als  irrtümlich anerkennen. Aber wenn ich mich so ausdrücken darf, ein kleidsamer Irrtum ... Auf das Wohl Ihres Herrn Bruders." Damit schloß das etwas diffizile Zwiegespräch, dem alle mit einiger Verlegenheit gefolgt waren. Nur  nicht  die  Schmargendorf.  "Ach",  sagte  diese,  während  sie  sich  halb  in  den  Vorhängen versteckte, "wenn wir von dem Wein trinken, dann h"ren wir auch immer dieselbe Geschichte. Die Domina muß sich damals sehr über den alten Herrn von Stechlin geärgert haben. Und doch hat er eigentlich recht; schon der bloße Name stimmt ernst und feierlich, und es liegt was drin, das einem Christenmenschen denn doch zu denken gibt. Und gerade wenn man so recht vergnügt ist." "Darauf  wollen  wir  anstoßen",  sagte  Czako,  v"llig  im  Dunkeln  lassend,  ob  er  mehr  den Christenmenschen oder den Ernst oder das Vergnügtsein meinte. "Und  überhaupt",  fuhr  die  Schmargendorf  fort,  "die  Weine  müßten  eigentlich  alle  anders heißen, oder wenigstens sehr, sehr viele." "Ganz meine Meinung, meine Gnädigste", sagte Czako. "Da sind wirklich so manche ... Man darf aber andrerseits das Zartgefühl nicht überspannen. Will man das, so bringen wir uns einfach um die reichsten Quellen wahrer Poesie. Da haben wir beispielsweise, so ganz allgemein und bloß als  Gattungsbegriff,  die  ›Milch  der  Greise‹  –  zunächst  ein  durchaus  unbeanstandenswertes  Wort. 46
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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