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Der Stechlin

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Engel,  der  mit  seinem  Flammenfinger  immer  auf  ein  Buch  wies  und  in  dem  Buch  auf  eine  und dieselbe Stelle." "Welche Stelle?" "Ja, darüber war ein Streit; die Schmargendorf hatte sie genau gelesen und wollte sie hersagen. Aber sie sagte sie falsch, weil sie sonntags in der Kirche nie recht aufpaßt. Und wir sagten ihr das auch. Und denke dir, sie widersprach nicht und blieb überhaupt ganz ruhig dabei. ›Ja‹, sagte sie, ›sie  wisse  recht  gut,  daß  sie  die  Stelle  falsch  hergesagt  hätte,  sie  habe  nie  was  richtig  hersagen k"nnen; aber das wisse sie ganz genau, die Stelle mit dem Flammenfinger, das sei der ›Wortlaut‹ gewesen.‹" "Und das hast du wirklich alles geglaubt, liebe Tante? Diese gute Schmargendorf! Ich will ihr ja gerne folgen; aber was ihren Traum angeht, da kann ich beim besten Willen nicht mit. Es wird ihr ein Amtmann erschienen sein oder ein Pastor. Dreißig Jahre früher wär’ es ein Student gewesen." "Ach, Woldemar, sprich doch nicht so. Das ist ja die neue Façon, in der die Berliner sprechen, und in dem Punkt ist einer wie der  andre. Dein Freund Czako spricht auch so. Du mokierst dich jetzt über die gute Schmargendorf, und dein Freund, der Hauptmann, soviel hab’ ich ganz deutlich gesehen, tat es auch und hat sie bei Tische geuzt." "Geuzt?" "Du  wunderst  dich  über  das  Wort,  und  ich  wundre  mich  selber  darüber.  Aber  daran  ist  auch unser guter Fix schuld. Der ist alle Monat mal nach Berlin rüber, und wenn er dann wiederkommt, dann  bringt  er  so  was  mit,  und  wiewohl  ich’s  unpassend  finde,  nehm’  ich’s  doch  an  und  die Schmargendorf auch. Bloß die Triglaff nicht und natürlich die gute Schimonski auch nicht, wegen der  Taubheit.  Ja,  Woldemar,  ich  sage  ›geuzt‹,  und  dein  Freund  Czako  hätt’  es  lieber  unterlassen sollen. Aber das muß wahr sein, er ist amüsant, wenn auch ein bißchen auf der Wippe. Siehst du ihn oft?" "Nein,  liebe  Tante.  Nicht  oft.  Bedenke  die  weiten  Entfernungen.  Von  unsrer  Kaserne  bis  zu seiner,  oder  auch  umgekehrt,  das  ist  eine  kleine  Reise.  Dazu  kommt  noch,  daß  wir  vor  unserm Halleschen  Tor  eigentlich  gar  nichts  haben,  bloß  die  Kirchh"fe,  das  Tempelhofer  Feld  und  das Rotherstift." "Aber ihr habt doch die Pferdebahn, wenn ihr irgendwo hin wollt. Beinah muß ich sagen, leider. Denn es gibt mir immer einen Stich, wenn ich mal in Berlin bin, so die Offiziere zu sehen, wie sie da hinten stehen und Platz machen, wenn eine Madamm aufsteigt, manchmal mit ‘nem Korb und manchmal auch mit ‘ner Spreewaldsamme. Mir immer ein Horreur." "Ja, die Pferdebahn, liebe Tante, die haben wir freilich, und man kann mit ihr in einer halben Stunde bis in Czakos Kaserne. Der weite Weg ist es auch eigentlich nicht, wenigstens nicht allein, weshalb ich Czako so selten sehe. Der Hauptgrund ist doch wohl der, er paßt nicht so ganz zu uns und eigentlich auch kaum zu seinem Regiment. Er ist ein guter Kerl, aber ein Äquivokenmensch und erzählt immer Nachmitternachtsgeschichten. Wenn man ihn allein hat, geht es. Aber hat er ein Publikum, dann kribbelt es ihn ordentlich, und je feiner das Publikum ist, desto mehr. Er hat mich schon oft in Verlegenheit gebracht. Ich muß sagen, ich hab’ ihn sehr gern, aber gesellschaftlich ist ihm Rex doch sehr überlegen." "Ja, Rex; natürlich. Das hab’ ich auch gleich bemerkt, ohne mir weiter Rechenschaft darüber zu geben. Du wirst es aber wissen, wodurch er ihm überlegen ist." "Durch vieles. Erstens, wenn man die Familien abwägt. Rex ist mehr als Czako. Und dann ist Rex Kavallerist." "Aber ich denke, er ist Ministerialassessor." "Ja, das ist er auch. Aber nebenher, oder vielleicht noch darüber hinaus, ist er Offizier, und sogar in unsrer Dragonerbrigade." "Das freut mich; da ist er ja so gut wie ein Spezialkamerad von dir." "Ich  kann  das  zugeben  und  doch  auch  wieder  nicht.  Denn  erstens  ist  er  in  der  Reserve,  und zweitens steht er bei den zweiten Dragonern." "Macht das ‘nen Unterschied?" 49
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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