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Der Stechlin

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"Gott, Tante, wie man’s nehmen will. Ja und nein. Bei Mars-la-Tour haben wir dieselbe Attacke geritten." "Und doch ..." "Und doch ist da ein gewisses Je ne sais quoi." "Sage  nichts  Franz"sisches.  Das  verdrießt  mich  immer.  Manche  sagen  jetzt  auch  Englisches, was mir noch weniger gefällt. Aber lassen wir das; ich finde nur, es wäre doch schrecklich, wenn es so bloß nach der Zahl ginge. Was sollte denn da das Regiment anfangen, bei dem ein Bruder unsrer guten Schmargendorf steht? Es ist, glaube ich, das hundertfünfundvierzigste." "Ja, wenn es so hoch kommt, dann vertut es sich wieder. Aber so bei der Garde ..." Die Domina schüttelte den Kopf. "Darin, mein lieber Woldemar, kann ich dir doch kaum folgen. Unser Fix sagt mitunter, ich sei zu exklusiv, aber so exklusiv bin ich doch noch lange nicht. Und solch Verstandesmensch, wie du bist, so ruhig und  dabei so ›abgeklärt‹, wie manche jetzt sagen, und, Gott verzeih mir die Sünde, auch so liberal, worüber selbst dein Vater klagt. Und nun kommst du mir mit solchem Vorurteil, ja, verzeih mir das Wort, mit solchen Überheblichkeiten. Ich erkenne dich darin gar nicht wieder. Und wenn ich nun das erste Garderegiment nehme, das ist ja doch auch ein erstes. Ist es denn mehr als das zweite? Man kann ja sagen, so viel will ich zugeben, sie haben die  Blechmützen  und  sehen  aus,  als  ob  sie  lauter  Holländerinnen  heiraten  wollten  ...  Was  ihnen schon gefallen sollte." "Den Holländerinnen?" "Nun,  denen  auch",  lachte  die  Tante.  "Aber  ich  meinte  jetzt  unsre  Leute.  Mißversteh  mich übrigens nicht. Ich weiß recht gut, was es mit den großen Grenadieren auf sich hat; aber die andern sind doch ebensogut, und Potsdam ist doch schließlich bloß Potsdam." "Ja, Tante, das ist es ja eben. Daß sie noch immer in Potsdam sind, das macht es. Deshalb ist es nach wie vor die ›Potsdamer Wachtparade‹. Und dann das Wort ›erstes‹ spielt allerdings auch mit. Ein alter R"mer, mit dessen Namen ich dich nicht behelligen will, der wollte in seinem Potsdam lieber der Erste als in seinem Berlin der Zweite sein. Wer der Erste ist, nun, der ist eben der Erste, und als die andern aufstanden, da hatte dieser ›Erste‹ schon seine n Morgenspaziergang gemacht und mitunter was für einen! Sieh, als das zweite Garderegiment geboren wurde, da hatten die mit den Blechmützen schon den ganzen Siebenjährigen Krieg hinter sich. Es ist damit wie mit dem ältesten Sohn. Der älteste Sohn kann unter Umständen dümmer und schlechter sein als sein Bruder, aber er ist der älteste, das kann ihm keiner nehmen, und das gibt ihm einen gewissen Vorrang, auch wenn er sonst gar keinen Vorzug hat. Alles ist g"ttliches Geschenk. Warum ist der eine hübsch und der andere häßlich? Und nun gar erst die Damen. In das eine Fräulein verliebt sich alles, und das andre spielt bloß Mauerblümchen. Es wird jedem seine Stelle gegeben. Und so ist es auch mit unserm Regiment.  Wir  m"gen  nicht  besser  sein  als  die  andern,  aber  wir  sind  die  ersten,  wir  haben  die Nummer eins." "Ich  kann  da  beim  besten  Willen  nicht  recht  mit,  Woldemar.  Was  in  unsrer  Armee  den Ausschlag gibt, ist doch immer die Schneidigkeit." "Liebe Tante, sprich, wovon du willst, nur nicht davon. Das ist ein Wort für kleine Garnisonen. Wir wissen, was wir zu tun haben. Dienst ist alles, und Schneidigkeit ist bloß Renommisterei. Und das ist das, was bei uns am niedrigsten steht." "Gut, Woldemar; was du da zuletzt gesagt hast, das gefällt mir. Und in diesem Punkte muß ich auch  deinen  Vater  loben.  Er  hat  vieles,  was  mir  nicht  zusagt,  aber  darin  ist  er  doch  ein  echter Stechlin. Und du bist auch so. Und das hab’ ich  immer gefunden, alle, die so sind, die schießen zuletzt doch den Vogel ab, ganz besonders auch bei den Damen." Dies  "bei  den  Damen"  war  nicht  ohne  Absicht  gesprochen  und  schien  auf  das  bis  dahin vorsichtig vermiedene Hauptthema hinüberführen zu sollen. Aber ehe die Tante noch eine direkte Frage   stellen   konnte   wurde   der   Rentmeister   gemeldet,   der   ihr   in   diesem   Augenblicke   sehr ungelegen kam. Die Domina wandte sich denn auch in sichtlicher Verstimmung an Woldemar und sagte: "Soll ich ihn fortschicken?" "Es wird kaum gehen, liebe Tante." "Nun denn." 50
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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