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Der Stechlin

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Und gleich danach trat Fix ein. Zehntes Kapitel Während  Woldemar  und  die  Domina  miteinander  plauderten,  erst  im  Tête-à-tête,  dann  in Gegenwart  von  Rentmeister  Fix,  ritten  Rex  und  Czako  (Fritz  mit  dem  Leinpferd  folgend)  auf Cremmen  zu.  Das  war  noch  eine  tüchtige  Strecke,  gute  drei  Meilen.  Aber  trotzdem  waren  beide Reiter übereingekommen, nichts zu übereilen und sich’s nach M"glichkeit bequem zu machen. "Es ist  am  Ende  gleichgültig,  ob  wir  um  acht  oder  um  neun  über  den  Cremmer  Damm  reiten.  Das bißchen Abendrot, das da drüben noch hinter dem Kirchturm steht ... Fritz, wie heißt er? Welcher Kirchturm  ist  es"?  ...  –  "Das  ist  der  Wulkowsche,  Herr  Hauptmann!"  –  "...  Also,  das  bißchen Abendrot, das da noch hinter dem Wulkowschen steht, wird ohnehin nicht lange mehr vorhalten. Dunkel wird’s also doch, und von dem Hohenlohedenkmal, das ich mir übrigens gern einmal näher angesehen hätte (man muß so was immer auf dem Hinwege mitnehmen), kommt uns bei Tageslicht nichts mehr vor die Klinge. Das Denkmal liegt etwas ab vom Wege." "Schade", sagte Rex. "Ja,  man  kann  es  beinah  sagen.  Ich  für  meine  Person komme schließlich drüber hin, aber ein Mann wie Sie, Rex, sollte dergleichen mehr wallfahrtartig auffassen." "Ach, Czako, Sie reden wieder tolles Zeug, diesmal mit einem kleinen Abstecher ins Lästerliche. Was soll ›Wallfahrt‹ hier überhaupt? Und dann, was haben Sie gegen Wallfahrten? Und was haben Sie gegen die Hohenlohes?" "Gott, Rex, wie Sie sich wieder irren. Ich habe nichts gegen die einen, und ich habe nichts gegen die andern. Alles, was ich von Wallfahrten gelesen habe, hat mich immer nur wünschen lassen, mal mit dabei zu sein. Und ad vocem der Hohenlohes, so kann ich Ihnen nur sagen, für die hab’ ich sogar was übrig in meinem Herzen, viel, viel mehr als für unser eigentliches Landesgewächs. Oder wenn Sie wollen, für unsre Autochthonen." "Und das meinen Sie ganz ernsthaft?" "Ganz ernsthaft. Und wir wollen mal fünf Minuten wie vernünftige Leute darüber reden. Wenn ich  sage  ›wir‹,  so  meine  ich  natürlich  mich.  Denn  Sie  sprechen  immer  vernünftig.  Vielleicht  ein bißchen zu sehr." Rex lächelte. "Nun gut; ich will’s Ihnen glauben." "Also die Hohenlohes", fuhr Czako fort. "Ja, wie steht es damit? Wie liegt da die Sache? Da kommt hier so Anno Domini ein Burggraf ins Land, und das Land will ihn nicht, und er muß sich alles erst erobern, die Städte beinah und die Schl"sser gewiß. Und die Herzen natürlich erst recht. Und  der  Kaiser  sitzt  mal  wieder  weitab  und  kann  ihm  nicht  helfen.  Und  da  hat  nun  dieser Nürnberger  Burggraf,  wenn’s  hoch  kommt,  ein  halbes  Dutzend  Menschen  um  sich,  schwäbische Leute, die mit ihm in diese M"rdergrube hinabsteigen. Denn ein bißchen so was war es. Und geht auch gleich los, und die Quitzows und die, die’s sein wollen, rufen die Pommern ins Land, und hier auf diesem alten Cremmer Damm stoßen sie zusammen, und die paar, die da fallen, das sind eben die  Schwaben,  die’s  gewagt  hatten  und  mit  in  den  Kahn  gestiegen  waren.  Allen  vorauf  aber  ein Graf, so ein Herr in mittleren Jahren. Der fiel zuerst und versank in den Sumpf, und da liegt er. Das heißt, sie haben ihn rausgeholt, und nun liegt er in der Klosterkirche. Und dieser eine, der da voran fiel, der hieß Hohenlohe." "Ja, Czako, das weiß ich ja alles. Das steht ja schon im ›Brandenburgischen Kinderfreund‹. Sie denken aber immer, Sie haben so was allein gepachtet." "Immer  vorsichtig,  Rex;  im  Kinderfreund  steht  es.  Gewiß.  Aber  was  steht  nicht  alles  –  von Kinderfreund gar nicht zu reden – in Bibel und Katechismus, und die Leute wissen es doch nicht. 51
  
Wanderungen durch die Mark Brandenburg: Die Grafschaft Ruppin. Wanderungen durch Mark Brandenburg 1 (Broschiert)
von Theodor Fontane
Siehe auch:
Wanderungen durch die Mark Brandenburg: Havelland. Die Landschaft um Spandau, Potsdam, Brandenburg
von Theodor Fontane
Wanderungen durch die Mark Brandenburg: Das Oderland. Barnim-Lebus 2
von Theodor Fontane
Mathilde Möhring. Textausgabe mit Materialien (Lernmaterialien)
von Theodor Fontane
Der Stechlin.
von Theodor Fontane
 
    
     
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