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Der Stechlin

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Ich zum Beispiel. Und ob es nun drin steht oder nicht drin steht, ich sage nur: so hat es angefangen, und  so  läuft  der  Hase  noch.  Oder  glauben  Sie,  daß  der  alte  Fürst,  der  jetzt  dran  ist,  daß  der  zu seinem   Spezialvergnügen   in   unser   sogenanntes   Reichskanzlerpalais   gezogen   ist,   drin   die Bismarckschen Nachfolger, die sich wahrhaftig nicht danach drängten, ihre Tage vertrauern? Ein Opfer ist es, nicht mehr und nicht weniger, und ein Opfer bringt auch der alte Fürst, gerade wie der, der  damals  am  Cremmer  Damm  als  erster  fiel.  Und  ich  sage  Ihnen,  Rex,  das  ist  das,  was  mir imponiert; immer da sein, wenn Not am Mann ist. Die Kleinen von hier, trotz der ›Loyalität bis auf die  Knochen‹,  die  mucken  immer  bloß  auf,  aber  die  wirklich  Vornehmen,  die  gehorchen,  nicht einem Machthaber, sondern dem Gefühl ihrer Pflicht." Rex  war  einverstanden  und  wiederholte  nur:  "Schade,  daß  wir  so  spä t  an  dem Denkmal vorbeikommen." "Ja, schade", sagte Czako. "Wir müssen es uns aber schenken. Im übrigen, denk’ ich, lassen wir in dem, was wir uns noch weiter zu sagen haben, die Hohenlohes aus dem Spiel. Andres liegt uns heute näher. Wie hat Ihnen denn eigentlich die Schmargendorf gefallen?" "Ich werde mich hüten, Czako, Ihnen darauf zu antworten. Außerdem haben Sie sie durch den Garten geführt, nicht ich, und mir war immer, als ob ich Faust und Gretchen sähe." Czako lachte. "Natürlich schwebt Ihnen das andre Paar vor, und ich bin nicht b"se darüber. Die Rolle, die mir dabei zufällt – der mit der Hahnenfeder ist doch am Ende ‘ne andre Nummer wie der sentimentale ›Habe-nun-ach-Mann‹ –, diese Mephistorolle, sag’ ich, gefällt mir besser, und was die Schmargendorf angeht, so kann ich nur sagen: Von meiner Martha lass’ ich nicht." "Czako, Sie münden wieder ins Frivole." "Gut,   gut,   Rex,   Sie   werden   unwirsch,   und   Sie   sollen   recht   haben.   Lassen   wir   also   die Schmargendorf so gut wie die Hohenlohes. Aber über die Domina ließe sich vielleicht sprechen, und sind wir erst bei der Tante, so sind wir auch bald bei dem Neffen. Ich fürchte, unser Freund Woldemar befindet sich in diesem Augenblick in einer scharfen Zwickmühle. Die Domina liegt ihm seit Jahr und Tag (er hat mir selber Andeutungen darüber gemacht) mit Heiratsplänen in den Ohren, mutmaßlich  weil  ihr  die  Vorstellung  einer  stechlinlosen  Welt  einfach  ein  Schrecknis  ist.  Solche alten  Jungfern  mit  einer  Granatbrosche  haben  immer  eine  merkwürdig  hohe  Meinung  von  ihrer Familie. Freilich auch andre, die klüger sein sollten. Unsre Leute gefallen sich nun mal in der Idee, sie hingen mit dem Fortbestande der g"ttlichen Weltordnung aufs engste zusammen. In Wahrheit liegt es so, daß wir sämtlich abkommen k"nnen. Ohne die Czakos geht es nun schon gewiß, wofür sozusagen historisch-symbolisch der Beweis erbracht ist." "Und die Rex?" "Vor diesem Namen mach’ ich halt." "Wer’s Ihnen glaubt. Aber lassen wir die Rex, und lassen wir die Czakos, und bleiben wir bei den  Stechlins,  will  sagen  bei  unserm  Freunde  Woldemar.  Die  Tante  will  ihn  verheiraten,  darin haben Sie recht." "Und ich habe wohl auch recht, wenn ich das eine heikle Lage nenne. Denn ich glaube, daß er sich seine Freiheit wahren will und mit Bewußtsein auf den Célibataire lossteuert." "Ein Glauben, in dem Sie sich, lieber Czako, wie jedesmal, wenn Sie zu glauben anfangen, in einem großen Irrtum befinden." "Das kann nicht sein." "Es kann nicht bloß sein, es ist. Und ich wundre mich nur, daß gerade Sie, der Sie doch sonst das Gras wachsen h"ren und allen Gesellschaftsklatsch kennen wie kaum ein zweiter, daß gerade Sie von dem allen kein Sterbensw"rtchen vernommen haben sollen. Sie verkehren doch auch bei den Xylanders, ja, ich glaube, Sie da, letzten Winter, mal kämpfend am Büfett gesehen zu haben." "Gewiß." "Und da waren an jenem Abend auch die Berchtesgadens, Baron und Frau, und in lebhaftestem Gespräche mit diesem bayrischen Baron ein distinguierter alter Herr und zwei Damen. Und diese drei, das waren die Barbys." "Die Barbys", wiederholte Czako, "Botschaftsrat oder dergleichen. Ja, gewiß, ich habe davon geh"rt; aber ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, ihn und die Damen  gesehen zu haben. Und 52
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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