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Der Stechlin

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sicherlich nicht an jenem Abend, wo ja von Vorstellen keine Rede war, die reine V"lkerschlacht. Aber Sie wollten mir, glaube ich, von eben diesen Barbys erzählen." "Ja,  das  wollt’  ich.  Ich  wollte  Sie  nämlich  wissen  lassen,  daß  Ihr  Célibataire  seit  Ausgang vorigen Winters in eben diesem Hause regelmäßig verkehrt." "Er wird wohl in vielen Häusern verkehren." "M"glich, aber nicht sehr wahrscheinlich, da das eine Haus ihn gan z in Anspruch nimmt." "Nun gut, so lassen wir ihn bei den Barbys. Aber was bedeutet das?" "Das bedeutet, daß in einem solchen Hause verkehren und sich mit einer Tochter verloben so ziemlich ein und dasselbe ist. Bloß eine Frage der Zeit. Und die Tante wird sich damit auss"hnen müssen, auch wenn sie, wie beinah gewiß, über ihr Herzblatt bereits anders verfügt haben sollte. Solche Dinge begleichen sich indessen fast immer. Unser Woldemar wird sich aber mittlerweile vor ganz andre Schwierigkeiten gestellt sehen." "Und die wären? Ist er nicht vornehm genug? Oder mankiert vielleicht Gegenliebe?" "Nein, Czako, von ›mankierender Gegenliebe‹, wie Sie sich auszudrücken belieben, kann keine Rede  sein.  Die  Schwierigkeiten  liegen  in  was  anderm.  Es  sind  da  nämlich,  wie  ich  mir  schon anzudeuten erlaubte, zwei Komtessen im Hause. Nun, die jüngere wird es wohl werden, schon weil sie eben die jüngere ist. Aber so ganz sicher ist es doch keineswegs. Denn auch die ältere, wiewohl schon über dreißig, ist sehr reizend und zum Überfluß auch noch Witwe – das heißt eigentlich nicht Witwe, sondern richtiger eine gleich nach der Ehe geschiedene Frau. Sie war nur ein halbes Jahr verheiratet, oder vielleicht auch nicht verheiratet." "Verheiratet,    oder    vielleicht    auch    nicht    verheiratet",    wiederholte    Czako,    während    er unwillkürlich sein Pferd anhielt. "Aber Rex, das ist ja hoch pikant. Und daß ich erst heute davon h"re und noch dazu durch Sie, der Sie sich von solchen Dingen doch zunächst entsetzt abwenden müßten.  Aber  so  seid  ihr  Konventikler.  Schließlich  ist  all  dergleichen  doch  eigentlich  euer Lieblingsfeld. Und nun erzählen Sie weiter; ich bin neugierig wie ein Backfisch. Wer war denn der unglücklich Glückliche?" "Sie meinen, wenn ich Sie recht verstehe, wer es war, der diese ältere Komtesse heiratete. Nun dieser  glücklich  Unglückliche  –  oder  vielleicht  auch  umgekehrt  –  war  auch  Graf,  sogar  ein italienischer (vorausgesetzt, daß Sie dies als eine Steigerung ansehn), und hatte natürlich einen echt italienischen Namen: Conte Ghiberti, derselbe Name wie der des florentinischen Bildhauers, von dem die berühmten Türen herrühren." "Welche Türen?" "Nun, die berühmten Baptisteriumtüren in Florenz, von denen Michelangelo gesagt haben soll, ›sie wären wert, den Eingang zum Paradiese zu bilden‹. Und diese Türen heißen denn auch, ihrem großen Künstler zu Ehren, die Ghibertischen Türen. Übrigens  eine Sache, von der ein Mann wie Sie was wissen müßte." "Ja, Rex, Sie haben gut reden von ›wissen müssen‹. Sie sind aus einem großen Hause, haben mutmaßlich einen frommen Kandidaten als Lehrer gehabt und sind dann auf Reisen gegangen, wo man so feine Dinge wegkriegt. Aber ich! Ich bin aus Ostrowo." "Das ändert nichts." "Doch, doch, Rex. Italienische Kunst! Ich bitte  Sie, wo soll dergleichen bei mir herkommen? Was Hänschen nicht lernt – dabei bleibt es nun mal. Ich erinnere mich noch ganz deutlich einer Auktion  in  Ostrowo,  bei  der  (es  war  in  einem  kommerzienrätlichen  Hause)  schließlich  ein  roter Kasten  zur  Versteigerung  kam,  ein  Kasten  mit  Doppelbildern  und  einem  Opernkucker  dazu,  der aber  keiner  war.  Und  all  das  kaufte  sich  meine  Mutter.  Und  an  diesem  Stereoskopenkasten,  ein Wort,  das  ich  damals  noch  nicht  kannte,  habe  ich  meine  italienische  Kunst  gelernt.  Die  ›Türen‹ waren aber nicht dabei. Was k"nnen Sie da groß verlangen? Ich habe, wenn Sie das Wort gelten lassen wollen, ‘ne Panoptikumbildung." Rex  lachte.  "Nun,  gleichviel.  Also  der  Graf,  der  die  ältere  Komtesse  Barby  heiratete,  hieß Ghiberti.   Seiner   Ehe   fehlten   indes   durchaus   die   Himmelstüren   –   soviel   läßt   sich   mit   aller Bestimmtheit sagen. Und deshalb kam es zur Scheidung. Ja mehr, die charmante Frau (›charmant‹ 53
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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