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Der Stechlin

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"Ich glaube, du fingst lieber wen anders. Und wenn ich dich so dasitzen sehe, so kommt es mir fast vor, als dächtest du selber auch so was. Du sitzt so märchenhaft da." "Ach, du denkst immer nur an Märchen und glaubst, weil du Melusine heißt, du hast so was wie eine Verpflichtung dazu." "Kann sein. Aber vor allem glaub’ ich, daß ich es getroffen habe. Weißt du, was?" "Nun?" "Ich kann es so leicht nicht sagen. Du sitzt zu weit ab." "Dann komm und sag es mir ins Ohr." "Das ist zuviel verlangt. Denn erstens bin ich die ältere, und zweitens bist du’s, die was von mir will. Aber ich will es so genau nicht nehmen." Und dabei ging Melusine vom Balkon her auf die Schwester zu, nahm ihr das Fangspiel fort und sagte, während sie ihr die Hand auf die Stirn legte: "Du bist verliebt." "Aber Melusine, was das nun wieder soll! Und wenn man so klug ist wie du ... Verliebt. Das ist ja gar nichts; etwas verliebt ist man immer." "Gewiß. Aber in wen? Da beginnen die Fragen und die Finessen." In diesem Augenblicke ging die Klingel draußen, und Armgard horchte. "Wie du dich verrätst", lachte Melusine. "Du horchst und willst w issen, wer kommt." Melusine   wollte   noch   weiter   sprechen,   aber   die   Tür   ging   bereits   auf   und   Lizzi,   die Kammerjungfer   der   beiden   Schwestern,   trat   ein,   unmittelbar   hinter   ihr   ein   Gersonscher Livreediener  mit  einem  in  einen  Riemen  geschnallten  Karton.  "Er  bringt  die  Hüte",  sagte  die Kammerjungfer. "Ah, die Hüte. Ja, Armgard, da müssen wir freilich unsre Frage vertagen. Was doch wohl auch deine Meinung ist. Bitte, stellen Sie hin. Aber Lizzi, du, du bleibst und mußt uns helfen; du hast einen guten Geschmack. Übrigens, ist kein Stehspiegel da?" "Soll ich ihn holen?" "Nein, nein, laß. Unsre K"pfe, worauf es doch bloß ankommt, k"nnen wir schließlich auch in diesem  Spiegel  sehen  ...  Ich  denke,  Armgard,  du  läßt  mir  die  Vorhand;  dieser  hier  mit  dem Heliotrop und den Stiefmütterchen, der ist natürlich für mich; er hat den richtigen Frauencharakter, fast schon Witwe." Unter diesen Worten setzte sie sich den Hut auf und trat an den Spiegel. "Nun, Lizzi , sprich." "Ich  weiß  nicht  recht,  Frau  Gräfin,  er  scheint  mir  nicht  modern  genug.  Der,  den  Komtesse Armgard   eben   aufsetzt,   der   würde   wohl   auch   für   Frau   Gräfin   besser   p assen   –   die   hohen Straußfedern, wie ein Ritterhelm, und auch die Hutform selbst. Hier ist noch einer, fast ebenso und beinah noch hübscher." Beide  Damen  stellten  sich  jetzt  vor  den  Spiegel;  Armgard,  hinter  der  Schwester  stehend  und gr"ßer als diese, sah über deren linke Schulter fort. Beide gefielen sich ungemein, und schließlich lachten sie, weil jede der andern ansah, wie hübsch sie sich fand. "Ich  m"chte  doch  beinah  glauben  ...",  sagte  Melusine,  kam  aber  nicht  weiter,  denn  in  eben diesem  Augenblicke  trat  ein  in  schwarzen  Frack  und  Escarpins  gekleideter  alter  Diener  ein  und meldete: "Rittmeister von Stechlin." Unmittelbar darauf erschien denn auch Woldemar selbst und verbeugte sich gegen die Damen. "Ich fürchte, daß ich zu sehr ungelegener Stunde komme." "Ganz  im  Gegenteil,  lieber  Stechlin.  Um  wessentwillen  quälen  wir  uns  denn  überhaupt  mit solchen Sachen? Doch bloß um unsrer Gebieter willen, die man ja (vielleicht leider) auch noch hat, wenn man sie nicht mehr hat." "Immer die liebenswürdige Frau." "Keine Schmeicheleien. Und dann, diese Hüte sind wichtig. Ich nehm’ es als eine Fügung, daß Sie  da  gerade  hinzukommen;  Sie  sollen  entscheiden.  Wir  haben  freilich  schon  Lizzis  Meinung angerufen, aber Lizzi ist zu diplomatisch; Sie sind Soldat und müssen mehr Mut haben; Armgard, sprich auch; du bist nicht mehr jung genug, um noch ewig die Verlegene zu spielen. Ich bin sonst gegen alle Gutachten, namentlich in Prozeßsachen (ich weiß ein Lied davon zu singen), aber ein Gutachten von Ihnen, da lass’ ich all meine Bedenken fallen. Außerdem bin ich für Autoritäten, und 56
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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