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seine Geschichten, und h"ren wir lieber von Herrn von Stechlins Ausfluge. Doktor Wrschowitz teilt gewiß meinen Geschmack." "Teile vollkommen." "Also, Herr von Stechlin", fuhr Armgard fort. "Sie haben nach diesen Erklärungen unsres Freundes Wrschowitz einen freundlichen Zuh"rer mehr, vielleicht sogar einen begeisterten. Auch für Papa m"cht ich mich verbürgen. Wir sind ja eigentlich selber märkisch oder doch beinah und wissen trotzdem so wenig davon, weil wir immer draußen waren. Ich kenne wohl Saatwinkel und den Grunewald, aber das eigentliche brandenburgische Land, das ist doch noch etwas andres. Es soll alles so romantisch sein und so melancholisch, Sand und Sumpf und im Wasser ein paar Binsen oder eine Birke, dran das Laub zittert. Ist Ihre Ruppiner Gegend auch so ? " "Nein, Komtesse, wir haben viel Wald und See, die sogenannte Mecklenburgische Seenplatte." "Nun, das ist auch gut. Mecklenburg, wie mir die Berchtesgadens erst neulich versichert haben, hat auch seine Romantik." "Sehr warr. Habe gelesen Stromtid und habe gelesen Franzosentid ..." "Und dann glaub ich auch zu wissen", fuhr Armgard fort, "daß Sie Rheinsberg ganz in der Nähe haben. Ist es richtig? Und kennen Sies? Es soll so viel Interessantes bieten. Ich erinnere mich seiner aus meinen Kindertagen her, trotzdem wir damals in London lebten. Oder vielleicht auch gerade deshalb. Denn es war die Zeit, wo das Carlylesche Buch über Friedrich den Großen immer noch in Mode war und wos zum guten Ton geh"rte, sich nicht bloß um die Terrasse von Sanssouci zu kümmern, sondern auch um Rheinsberg und den Orden de la générosité. Lebt das alles noch da? Spricht das Volk noch davon?" "Nein, Komtesse, das ist alles fort. Und überhaupt, von dem großen K"nig spricht im Rheinsbergischen niemand mehr, was auch kaum anders sein kann. Der große K"nig war als Kronprinz nur kurze Zeit da, sein Bruder Heinrich aber fünfzig Jahre. Und so hat die Prinz- Heinrich-Zeit beklagenswerterweise die Kronprinzenzeit ganz erdrückt. Aber beklagenswert doch nicht in allem. Denn Prinz Heinrich war auch bedeutend und vor allem sehr kritisch. Was doch immer ein Vorzug ist." "Sehr warr, sehr warr", unterbrach hier Wrschowitz. "Er war sehr kritisch", wiederholte Woldemar. "Namentlich auch gegen seinen Bruder, den K"nig. Und die Malkontenten, deren es auch damals schon die Hülle und Fülle gab, waren beständig um ihn herum. Und dabei kommt immer was heraus." "Sehr warr, sehr warr ..." "Denn zufriedene Hofleute sind allemal "d und langweilig, aber die Frondeurs, wenn die den Mund auftun, da kann man was h"ren, da tut sich einem was auf." "Gewiß", sagte Armgard. "Aber trotzdem, Herr von Stechlin, ich kann das Frondieren nicht leiden. Frondeur ist doch immer nur der gewohnheitsmäßig Unzufriedene, und wer immer unzufrieden ist, der taugt nichts. Immer Unzufriedene sind dünkelhaft und oft boshaft dazu, und während sie sich über andre lustig machen, lassen sie selber viel zu wünschen übrig." "Sehr warr, sehr warr, gnädigste Komtesse", verbeugte sich Wrschowitz. "Aber wollen verzeihn, Komtesse, wenn ich trotzdem bin für Frondeur. Frondeur ist Krittikk, und wo Guttes sein will, muß sein Krittikk. Deutsche Kunst viel Krittikk. Erst muß sein Kunst, gewiß, gewiß, aber gleich danach muß sein Krittikk. Krittikk ist wie große Revolution. Kopf ab aus Prinzipp. Kunst muß haben ein Prinzipp. Und wo Prinzipp is, is Kopf ab." Alles schwieg, so daß dem Grafen nichts übrig blieb, als etwas verspätet seine halbe Zustimmung auszudrücken. Armgard ihrerseits beeilte sich, auf Rheinsberg zurückzukommen, das ihr, trotz des fatalen Zwischenfalls mit "Kopf ab", im Vergleich zu vielleicht wiederkehrenden Musikgesprächen immer noch als wenigstens ein Nothafen erschien. "Ich glaube", sagte sie, "neben manchem andern auch mal von der Frauenfeindschaft des Prinzen geh"rt zu haben. Er soll irre ich mich, so werden Sie mich korrigieren ein sogenannter Misogyne gewesen sein. Etwas durchaus Krankhaftes in meinen Augen oder doch mindestens etwas sehr Sonderbares." 66 |  |
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