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Der Stechlin

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"Sehr sonderbarr", sagte Wrschowitz, während sich, unter huldigendem Hinblick auf Armgard, sein Gesicht wie verklärte. "Wie gut, lieber Wrschowitz", fuhr Armgard fort, "daß Sie, mein Wort bestätigend, für uns arme Frauen und Mädchen eintreten. Es gibt immer noch Ritter, und wir sind ihrer so sehr ben"tigt. Denn wie mir Melusine erzählt hat, sind die Weiberfeinde sogar stolz darauf, Weiberfeinde zu sein, und behandeln  ihr  Denken  und  Tun  als  eine  h"here  Lebensform.  Kennen  Sie  solche  Leute,  Herr  von Stechlin? Und wenn Sie solche Leute kennen, wie denken Sie darüber?" "Ich betrachte sie zunächst als Unglückliche." "Das ist recht." "Und  zum  zweiten  als  Kranke.  Der  Prinz,  wie  Komtesse  schon  ganz  richtig  ausgesprochen haben, war auch ein solcher Kranker." "Und wie äußerte sich das? Oder ist es überhaupt nicht m"glich, über das Thema zu sprechen?" "Nicht ganz leicht, Komtesse. Doch in Gegenwart des Herrn Grafen und nicht zu vergessen auch in  Gegenwart  von  Doktor  Wrschowitz,  der  so  sch"n  und  ritterlich  gegen  die  Misogynität  Partei genommen, unter solchem Beistande will ich es doch wagen." "Nun, das freut mich. Denn ich brenne vor Neugier." "Und will auch nicht länger ängstlich um die Sache herumgehen. Unser Rheinsberger Prinz war ein richtiger Prinz aus dem vorigen Jahrhundert. Die jetzigen sind Menschen; die damaligen waren nur  Prinzen.  Eine  der  Passionen  unsers  Rheinsberger  Prinzen  –  wenn  man  will,  in  einer  Art Gegensatz von dem, was schon gesagt wurde – war eine geheimnisvolle Vorliebe für jungfräuliche Tote,  besonders  Bräute.  Wenn  eine  Braut  im  Rheinsbergischen,  am  liebsten  auf  dem  Lande, gestorben war, so lud er sich zu dem Begräbnis zu Gast. Und eh’ der Geistliche noch da sein konnte (den vermied er), erschien er und stellte sich an das Fußende des Sarges und  starrte die Tote an. Aber sie mußte geschminkt sein und aussehen wie das Leben." "Aber das ist ja schrecklich", brach es beinahe leidenschaftlich aus Armgard hervor. "Ich mag diesen Prinzen nicht und seine ganze Fronde nicht. Denn die müssen ebenso gewesen sein. Das ist ja Blasphemie, das ist ja Gräberschändung, – ich muß das Wort aussprechen, weil ich so emp"rt bin und nicht anders kann." Der  alte  Graf  sah  die  Tochter  an,  und  ein  Freudenstrahl  umleuchtete  sein  gutes  altes  Gesicht. Auch Wrschowitz empfand so was von unbedingter Huldigung, bezwang sich aber und sah, statt auf Armgard, auf das Bild der Gräfinmutter, das von der Wand niederblickte. Nur Woldemar blieb ruhig und sagte: "Komtesse, Sie gehen vielleicht zu weit. Wissen Sie, was in der Seele des Prinzen vorgegangen ist? Es kann etwas Infernales gewesen sein, aber auch etwas ganz  andres.  Wir  wissen  es  nicht.  Und  weil  er  nebenher  unbedingt  große  Züge  hatte,  so  bin  ich dafür, ihm das in Rechnung zu stellen." "Bravo, Stechlin", sagte der alte Graf. "Ich war erst Armgards Meinung. Aber Sie haben recht, wir wissen es nicht. Und so viel weiß ich noch von der Juristerei her, in der ich, wohl oder übel, eine  Gastrolle  gab,  daß  man  in  zweifelhaften  Fällen  in  favorem  entscheiden  muß.  Übrigens  geht eben die Klingel. An bester Stelle wird ein Gespräch immer unterbrochen. Es wird Melusine sein. Und sosehr ich gewünscht hätte, sie wäre von Anfang an mit dabei gewesen, wenn sie jetzt so mit einem Male dazwischenfährt, ist selbst Melusine eine St"rung." Es  war  wirklich  Melusine.  Sie  trat,  ohne  draußen  abgelegt  zu  haben,  ins  Zimmer,  warf  das schottische  Cape,  das  sie  trug,  in  eine  Sofaecke  und  schritt,  während  sie  noch  den  Hut  aus  dem Haare nestelte, bis an den Tisch, um hier zunächst den Vater, dann aber die beiden andern Herren zu begrüßen. "Ich seh’ euch so verlegen, woraus ich schließe, daß eben etwas Gefährliches gesagt worden ist. Also etwas über mich." "Aber, Melusine, wie eitel." "Nun, dann also nicht über mich. Aber über wen? Das wenigstens will ich wissen. Von wem war die Rede?" "Vom Prinzen Heinrich. Aber von dem ganz alten, der schon fast hundert Jahre tot ist." "Da konntet ihr auch was Besseres tun." 67
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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