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Der Stechlin

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aber  trotzdem  klug  genug  und  wußte,  wenn’s  galt,  seinem  Vorteil  nachzugehen.  Das  Deutsche machte ihm noch immer Schwierigkeiten, trotzdem er sich aufrichtige Mühe damit gab und sogar das  bequeme  Zuhilfenehmen  englischer  W"rter  vermied,  am  meisten  dann,  wenn  er  sich  die Berlinerinnen seiner Bekanntschaft abquälen sah, ihm mit "well, well, Mr. Robinson" oder gar mit einem  geheimnisvollen  "indeed" zu Hilfe zu  kommen. Nur mit dem einen war er einverstanden, daß man ihn "Mr. Robinson" nannte. Das ließ er sich gefallen. "Now, Mr. Robinson", sagte Imme, als sie Bock an Bock nebeneinander hielten, "how are you? I hope quite well." "Danke, Mr. Imme, danke! Was macht die Frau?" "Ja,  Robinson,  da  müssen  Sie,  denk’  ich,  selber  nachsehen,  und  zwar  gleich  heute,  wo  die Herrschaften fort sind und erst spät wiederkommen. Noch dazu mit der Stadtbahn. Wenigstens von hier aus, Jannowitzbrücke. Sagen wir also neun; eher sind sie nicht zurück. Und bis dahin haben wir einen guten Skat. Hartwig als dritter wird schon kommen; Portiers k"nnen immer. Die Frau zieht ebensogut die Tür auf wie er, und weiter ist es ja nichts. Also Klocker fünf: ein ›Nein‹ gilt nicht; where  there  is  a  will,  there  is  a  way.  Ein  bißchen  ist  doch  noch  hängengeblieben  von  dear  old England." "Danke, Mr. Imme", sagte Robinson,"danke! Ja, Skat ist das Beste von all Germany. Komme gern. Skat ist noch besser als Bayrisch." "H"ren Sie, Robinson, ich weiß doch nicht, ob das stimmt. Ich denke mir, so beides zusammen, das ist das Wahre. That’s it." Robinson war einverstanden, und da beide weiter nichts auf dem Herzen hatten, so brach man hier  ab  und  schickte  sich  an,  die  Rückfahrt  in  einem  mäßig  raschen  Trab  anzutreten  wobei  der Berchtesgadensche Kutscher den Weg über Molkenmarkt und Schloßplatz, der Barbysche den auf die  Neue  Friedrichstraße  nahm.  Jenseits  der  Friedrichsbrücke  hielt  sich  dieser  dann  dicht  am Wasser hin und kam so am bequemsten bis an sein Kronprinzenufer. Der  Dampfer,  gleich  nachdem  er  das  Brückenjoch  passiert  hatte,  setzte  sich  in  ein  rascheres Tempo, dabei die linke Flußseite haltend, so daß immer nur eine geringe Entfernung zwischen dem Schiff  und  den  sich  dicht  am  Ufer  hinziehenden  Stadtbahnb"gen  war.  Jeder  Bogen  schuf  den Rahmen  für  ein  dahintergelegenes  Bild,  das  natürlich  die  Form  einer  Lunette  hatte.  Mauerwerk jeglicher Art, Schuppen, Zäune zogen in buntem Wechsel vorüber, aber in Front aller dieser der Alltäglichkeit  und  der  Arbeit  dienenden  Dinge  zeigte  sich  immer  wieder  ein  Stück  Gartenland, darin  ein  paar  verspätete  Malven  oder  Sonnenblumen  blühten.  Erst  als  man  die  zweitfolgende Brücke passiert hatte, traten die Stadtbahnb"gen so weit zurück, daß von einer Ufereinfassung nicht mehr die Rede sein konnte; statt ihrer aber wurden jetzt Wiesen und pappelbesetzte Wege sichtbar, und wo das Ufer kaiartig abfiel, lagen mit Sand beladene Kähne, große Zillen, aus deren Innerem eine  baggerartige  Vorrichtung  die  Kies-  und  Sandmassen  in  die  dicht  am  Ufer  hin  etablierten Kalkgruben schüttete. Es waren dies die Berliner M"rtelwerke, die hier die Herrschaft behaupteten und das Uferbild bestimmten. Unsre  Reisenden  sprachen  wenig,  weil  unter  dem  raschen  Wechsel  der  Bilder  eine  Frage  die andre zurückdrängte. Nur als der Dampfer an Treptow vorüber zwischen den kleinen Inseln hinfuhr, die  hier  mannigfach  aus  dem  Fluß  aufwachsen,  wandte  sich  Melusine  an  Woldemar  und  sagte: "Lizzi  hat  mir  erzählt,  hier  zwischen  Treptow  und  Stralau  sei  auch  die  ›Liebesinsel‹;  da  stürben immer die Liebespaare, meist mit einem Zettel in der Hand, drauf alles stünde. Trifft das zu?" "Ja, Gräfin, soviel ich weiß, trifft es zu. Solche Liebesinseln gibt es übrigens vielfach in unsrer Gegend  und  kann  als  Beweis  gelten,  wie  weitverbreitet  der  Zustand  ist,  dem  abgeholfen  werden soll, und wenn’s auch durch Sterben wäre." "Das nehm’ ich Ihnen übel, daß Sie darüber spotten. Und Armgard wird es noch mehr tun, weil sie gefühlvoller ist als ich. Zudem sollten Sie wissen, daß sich so was rächt." "Ich weiß es. Aber Sie lesen auch durchaus falsch in meiner Seele. Sicher haben Sie mal geh"rt, daß  der,  der  Furcht  hat,  zu  singen  anfängt,  und  wer  nicht  singen  kann,  nun,  der  witzelt  eben. Übrigens, so sch"n ›Liebesinsel‹ klingt, der Zauber davon geht wieder verloren, wenn Sie sich den 70
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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