Titel:

Der Stechlin

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

als die Frage ›Quirinal oder Vatikan‹. Es hat sich überlebt. Un d anstaunenswert ist nur das eine, daß es überhaupt noch so weiter geht. Das ist der Wunder gr"ßtes." "Und das sagen Sie, der Sie zeitweilig den Dingen so nahe gestanden ? " "Weil ich ihnen so nahe gestanden." Auch die beiden voranschreitenden Paare waren in lebhaftem Gespräch. An dem schon in Dämmerung liegenden "stlichen Horizont stiegen die Fabrikschornsteine von Spindlersfelde vor ihnen auf, und die Rauchfahnen zogen in langsamem Zuge durch die Luft. "Was ist das?" fragte die Baronin, sich an Woldemar wendend. "Das ist Spindlersfelde." "Kenn’ ich nicht." "Doch vielleicht, gnädigste Frau, wenn Sie h"ren, daß in eben diesem Spindlersfelde der für die weibliche  Welt  so  wichtige  Spindler  seine  geheimnisvollen  Künste  treibt.  Besser  noch  seine verschwiegenen. Denn unsre Damen bekennen sich nicht gern dazu." "So, der! Ja, dieser unser Wohltäter, den wir – Sie haben ganz recht – in unserm Undank so gern unterschlagen.  Aber  dies  Unterschlagen  hat  doch  auch  wieder  sein  Verzeihliches.  Wir  tun  jetzt (leider) so vieles, was wir, nach einer alten Anschauung, eigentlich n icht tun sollten. Es ist, mein’ ich,  nicht  passend,  auf  einem  Pferdebahnperron  zu  stehen,  zwischen  einem  Schaffner  und  einer Kiepenfrau, und es ist noch weniger passend, in einem Fünfzigpfennigbasar allerhand Einkäufe zu machen und an der sich dabei aufdrängenden Frage: ›Wodurch erm"glichen sich diese Preise?‹ still vorbeizugehen. Unser Freund in Spindlersfelde da drüben degradiert uns vielleicht auch durch das, was er so hilfreich für uns tut. Armgard, wie denken Sie darüber?" "Ganz wie Sie, Baronin." "Und Melusine?" Diese gab kopfschüttelnd die Frage weiter und drang darauf, daß die beiden älteren Herren, die mittlerweile herangekommen waren, den Ausschlag geben sollten. Aber der alte Graf wollte davon nichts wissen. "Das sind Doktorfragen. Auf derlei Dinge lass’ ich mich nicht ein. Ich schlage vor, wir machen lieber kehrt und suchen uns im Eierhäuschen einen hübschen Platz, von dem aus wir das Leben auf dem Fluß beobachten und hoffentlich auch den Sonnenuntergang gut sehen k "nnen." Ziemlich um dieselbe Stunde, wo die Barbyschen und Berchtesgadenschen Herrschaften ihren Spaziergang  auf  Spindlersfelde  zu  machten,  erschien  unser  Freund  Mr.  Robinson,  von  seinem Stallgebäude her, in Front der Lennéstraße, sah erst gewohnheitsmäßig nach dem Wetter und ging dann quer durch den Tiergarten auf das Kronprinzenufer zu, wo die Immes ihn bereits erwarteten. Frau Imme, die, wie die meisten kinderlosen Frauen (und Frauen mit Sappeurbartmännern sind fast immer kinderlos), einen großen Wirtschafts- und Sauberkeitssinn hatte, hatte zu Mr. Robinsons Empfang alles in die sch"nste Ordnung gebracht, um so mehr, als sie wußte, daß ihr Gast, als ein verw"hnter    Engländer,    immer    der    Neigung    nachgab,    alles    Deutsche,    wenn    auch    nur andeutungsweise,  zu  bemängeln.  Es  lag  ihr  daran,  ihn  fühlen  zu  lassen,  daß  man’s  hier  auch verstehe.  So  war  denn  von  ihr  nicht  bloß  eine  wundervolle  Kaffeeserviette,  sondern  auch  eine silberne  Zuckerdose  mit  Streuselkuchentellern  links  und  rechts  aufgestellt  worden.  Frau  Imme konnte das alles und noch mehr infolge der bevorzugten Stellung, die sie von langer Zeit her bei den Barbys einnahm, zu denen sie schon als fünfzehnjähriges junges Ding gekommen und in deren Dienst sie bis zu ihrer Verheiratung geblieben war. Auch jetzt noch hingen beide Damen an ihr, und mit Hilfe Lizzis, die, so diskret sie war, doch gerne plauderte, war Frau Imme jederzeit über alles unterrichtet,  was  im  Vorderhaus  vorging.  Daß  der  Rittmeister  sich  für  die  Damen  interessierte, wußte sie natürlich wie jeder andre, nur nicht – auch darin wie  jeder andre –, für welche. Ja, für welche? Das war die große Frage, selbst für Mr. Robinson, der regelmäßig, wenn er die Immes sah, sich danach  erkundigte.  Dazu  kam  es  denn  auch  heute  wieder,  und  zwar  sehr  bald  nach  seinem Eintreffen. Eine große Familientasse mit einem in Front eines Tempels den Bogen spannenden Amor war vor ihn hingestellt worden, und als er dem Streuselkuchen (für den er eine so große Vorliebe hatte, daß er regelmäßig erklärte, so was gäb’ es in den Vereinigten drei K"nigreichen nicht) – als er dem 72
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum