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Der Stechlin

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Streusel liebevoll und doch auch wieder maßvoll zugesprochen hatte, betrachtete er das Bild auf der großen  Tasse,  zeigte,  was  bei  seiner  Augenbeschaffenheit  etwas  Komisches  hatte,  schelmisch lächelnd  auf  den  bogenspannenden  Amor  und  sagte:  "Hier  hinten  ein  Tempel  und  hier  vorn  ein Lorbeerbusch. Und hier this little fellow with his arrow. Ich m"chte mir die Frage gestatten – Sie sind eine so kluge Frau, Frau Imme –: wird er den Pfeil fliegen lassen oder nicht, und wenn er den Pfeil fliegen läßt, ist es die Priesterin, die hier neben dem Lorbeer steht, oder ist es eine andre?" "Ja, Mr. Robinson", sagte Frau Imme, "darauf ist schwer zu antworten. Denn erstens wissen wir nicht,  was  er  überhaupt  vorhat,  und  dann  wissen  wir  auch  nicht:  wer  i st  die  Priesterin? Ist  die Komtesse die Priesterin, oder ist die Gräfin die Priesterin? Ich glaube, wer schon verheiratet war, kann wohl eigentlich nicht Priesterin sein." "Ach", sagte Imme, in dem sich der naturwüchsige Mecklenburger regte, "sein kann alles. Über so was wächst Gras. Ich glaube, es is die Gräfin." Robinson  nickte.  "Glaub’  ich  auch.  And  what’s  the  reason,  dear  Mrs.  Imme?  Weil  Witib  vor Jungfrau geht. Ich weiß wohl, es ist immer viel  die Rede von virginity, aber widow ist mehr als virgin." Frau Imme, die nur halb verstanden hatte, verstand doch genug, um zu kichern, was sie übrigens sittsam mit der Bemerkung begleitete, sie habe so was von Mr. Robinson nicht geglaubt. Robinson nahm es als Huldigung und trat, nachdem er sich mit Erlaubnis der "Lady" ein kurzes Pfeifchen mit türkischem Tabak angesteckt hatte, an ein Fensterchen, in dessen mit einer kleinen Laubsäge gemachten Blumenkasten rote Verbenen blühten, und sagte, während er auf den Hof mit seinen drei Akazienbäumen herunterblickte: "Wer ist denn der hübsche Junge da, der da mit seinem hoop spielt? Hier sagen sie Reifen." "Das ist ja Hartwigs Rudolf", sagte Frau Imme. "Ja, der Junge hat viel Chic. Und wie er da mit dem Reifen spielt und die Hedwig immer hinter ihm her, wiewohl sie doch beinahe seine Mutter sein k"nnte. Na, ich freue mich immer, wenn ich ausgelassene Menschen sehe, und wenn Hartwig kommt – ich wundere mich bloß, daß er noch nicht da ist –, da k"nnen Sie ihm ja sagen, wie hübsch Sie die verw"hnte kleine Range finden. Das wird ihn freuen; er ist furchtbar eitel. Alle Portiersleute sind eitel. Aber das muß wahr sein, es ist ein reizender Junge." Während  sie  noch  so  sprachen,  erschien  Hartwig,  auf  den  Imme,  skatdurstig,  schon  seit  einer Viertelstunde gewartet hatte, und keine drei Minuten mehr, so war auch Hedwig da, die sich bis kurz vorher mit ihrem kleinen Cousin Rudolf in dem Hof unten abgeäschert hatte. Beide wurden mit   gleicher   Herzlichkeit   empfangen,   Hartwig,   weil   nach   seinem   Erscheinen   die   Skatpartie beginnen  konnte,  Hedwig,  weil  Frau  Imme  nun  gute  Gesellschaft  hatte.  Denn  Hedwig  konnte wundervoll erzählen und brachte jedesmal Neuigkeiten mit. Sie mochte vierundzwanzig sein, war immer   sehr   sauber   gekleidet   und   von   heiter-übermütigem   Gesichtsausdruck.   Dazu   krauses, kastanienbraunes Haar. Es traf sich, daß sie mal wieder außer Dienst war. "Nun, das ist recht, Hedwig, daß du kommst", sagte Frau Imme. "Rudolfen hab’ ich eben erst gefragt, wo du geblieben wärst, denn ich habe dich ja mit ihm spielen sehen; aber solch Junge weiß nie was; der denkt bloß immer an sich und ob er sein Stück Kuchen kriegt. Na, wenn er kommt, er soll’s haben; Robinson ißt immer so wenig, wiewohl er den Streusel ungeheuer gern mag. Aber so sind die Engländer, sie sind nicht so zugreifsch, und dann geniert sich mein Imme auch, und die Hälfte bleibt übrig. Na, jedenfalls is es nett, daß du wieder da bist. Ich habe dich ja seit deinem letzten Dienst noch gar nicht ordentlich gesehen. Es war ja wohl ‘ne Hofrätin? Na, Hofrätinnen, die kenn’ ich. Aber es gibt auch gute. Wie war er denn?" "Na, mit ihm ging es." "Deine krausen Haare werden wohl wieder schuld sein. Die k"nnen manche nicht ertragen. Und wenn dann die Frau was merkt, dann is es vorbei." "Nein, so war es nicht. Er war ein sehr anständiger Mann. Beinahe  zu sehr." "Aber, Kind, wie kannst du nur so was sagen? Wie kann einer zu anständig sein?" "Ja, Frau Imme. Wenn einen einer gar nicht ansieht, das is einem auch nicht recht." "Ach, Hedwig, was du da bloß so red’st! Und wenn ich nich wüßte, daß du gar nich so bist ...   Aber was war es denn?" 73
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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