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Der Stechlin

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"Ja,   Frau   Imme,   was   soll   ich   sagen,   was   es   war;  es  is  ja  immer  wieder  dasselbe.  Die Herrschaften  k"nnen  einen  nich  richtig  unterbringen.  Oder  wollen  auch  nich.  Immer  wieder  die Schlafstelle oder, wie manche hier sagen, die Schlafgelegenheit." "Aber, Kind, wie denn? Du mußt doch ‘ne Gelegenheit zum Schlafen haben." "Gewiß, Frau Imme. Und ‘ne Gelegenheit, so denkt mancher, is ‘ne Gelegenheit. Aber gerade die, die hat man nich. Man ist müde zum Umfallen und kann doch nicht schlafen." "Versteh’ ich nich." "Ja,  Frau  Imme,  das  macht,  weil  Sie  von  Kindesbeinen  an  immer  bei  so  gute  Herrschaften waren, und mit Lizzi is es jetzt wieder ebenso. Die hat es auch gut un is, wie wenn sie mit dazu geh"rte.  Meine  Tante  Hartwig  erzählt  mir  immer  davon.  Und  einmal  hab’  ich  es  auch  so  gut getroffen. Aber bloß das eine Mal. Sonst fehlt eben immer die Schlafgelegenheit." Frau Imme lachte. "Sie lachen darüber, Frau Imme. Das is aber nich recht, daß Sie lachen. Glauben Sie mir, es is eigentlich zum Weinen. Und mitunter hab’ ich auch schon geweint. Als ich nach Berlin kam, da gab es ja noch die Hängeb"den." "Kenn’ ich, kenn’ ich; das heißt, ich habe davon geh"rt."   "Ja, wenn man davon geh"rt hat, das is nich viel. Man muß sie richtig kennenlernen. Immer sind sie in der Küche, mitunter dicht am Herd oder auch gerade gegenüber. Und nun steigt man auf eine Leiter, und wenn man müde is, kann man auch runterfallen. Aber meistens geht es. Und nun macht man die Tür auf und schiebt sich in das Loch hinein, ganz so wie in einen Backofen. Das is, was sie ‘ne Schlafgelegenheit nennen. Und ich kann Ihnen bloß sagen: auf einem Heuboden is es besser, auch wenn Mäuse da sind. Und am schlimmsten is es im Sommer. Draußen sind dreißig Grad, und auf dem Herd war den ganzen Tag Feuer; da is es denn, als ob man auf den Rost gelegt würde. So war  es,  als  ich  nach  Berlin  kam.  Aber  ich  glaube,  sie  dürfen  jetzt  so  was  nich  mehr  bauen. Polizeiverbot. Ach, Frau Imme, die Polizei is doch ein rechter Segen. Wenn wir die Polizei nich hätten  (und  sie  sind  auch  immer  so  artig  gegen  einen),  so  hätten  wir  gar  nichts.  Mein  Onkel Hartwig, wenn ich ihm so erzähle, daß man nicht schlafen kann, der sagt auch immer: ›Kenn’ ich, kenn’ ich; der Bourgeois tut nichts für die Menschheit. Und wer nichts für die Menschheit tut, der muß abgeschafft werden.‹" "Ja, dein Onkel spricht so. Und war es denn bei deinem Hofrat, wo du nu zuletzt warst, auch so?" "Nein, bei Hofrats war es nicht so. Die wohnten ja auch in einem ganz neuen Hause. Hofrats waren Trockenwohner. Und in dem, was jetzt die neuen Häuser sind, da kommen, glaub’ ich, die Hängeb"den gar nicht mehr vor; da haben sie bloß noch die Badestuben." "Nu, das is aber doch ein Fortschritt." "Ja das kann man sagen; Badestube als Badestube ist ein Fortschritt oder, wie Onkel Hartwig immer    sagt,    ein    Kulturfortschritt.    Er    hat    meistens    solche    W"rter.    Aber    Badestube    als Schlafgelegenheit is kein Fortschritt." "Gott, Kind, sie werden dich aber doch nich in eine Badewanne gepackt  haben!" "I bewahre. Das tun sie schon der Badewanne wegen nich. Da werden sie sich hüten. Aber ... Ach, Frau Imme, ich kann nur immer wieder sagen, Sie wissen nich Bescheid; Sie hatten es gut, wie Sie  noch  unverheiratet  waren,  und  nu  haben  Sie’s  erst  recht  gut.  Sie  wohnen  hier  wie  in  einer kleinen Sommerwohnung, un daß es ein bißchen nach Pferde riecht, das schadet nich; das Pferd is ein feines und reinliches Tier, und all seine Verrichtungen sind so edel. Man sagt ja auch: das edle Pferd. Und außerdem soll es so gesund sein, fast so gut wie Kuhstall, womit sie ja die Schwindsucht kurieren.   Und   dazu   haben   Sie   hier   den   Blick   auf   die   Kugelakazien   und   drüben   auf   das Marinepanorama,  wo  man  sehen  kann,  wie  alles  is,  und  dahinter  haben  Sie  den  Blick  auf  die Kunstausstellung,  wo  es  so  furchtbar  zieht,  bloß  damit  man  immer  frische  Luft  hat.  Aber  bei Hofrats ... Nein, diese Badestube!" "Gott,  Hedwig",  sagte  Frau  Imme,  "du  tust  ja,  wie  wenn  es  eine  M"rdergrube  oder  ein Verbrecherkeller gewesen wäre." 74
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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