Title:

Der Stechlin

Home
deutsch
  
ISBN: 3548234119   ISBN: 3548234119   ISBN: 3548234119   ISBN: 3548234119 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

"Verbrecherkeller?  Ach,  Frau  Imme,  das  is  ja  gar  nichts.  Ich  habe  Verbrecherkeller  gesehen, natürlich bloß zufällig. Da trinken sie Weißbier und spielen Sechsundsechzig. Und in einer Ecke wird was ausbaldowert, aber davon merkt man nichts." "Und die Badestube ... warum is sie dir denn so furchtbar, daß du dich ordentlich schudderst? Der Mensch muß doch am Ende baden k"nnen." "Ach was, baden! Natürlich. Aber ‘ne Badestube  is nie ‘ne Badestube. Wenigstens hier nicht. Eine  Badestube  is  ‘ne  Rumpelkammer,  wo  man  alles  unterbringt,  alles,  wofür  man  sonst  keinen Platz   hat.   Und   dazu   geh"rt   auch   ein   Dienstmädchen.   Meine   eiserne   Bettstelle,   die   abends aufgeklappt  wurde,  stand  immer  neben  der  Badewanne,  drin  alle  alten  Bier-  und  Weinflaschen lagen. Und nun drippten die Neigen aus. Und in der Ecke stand ein Bettsack, drin die Fräuleins ihre Wäsche hineinstopften, und in der andern Ecke war eine kleine Tür. Aber davon will ich zu Ihnen nicht sprechen, weil ich einen Widerwillen gegen Unanständigkeiten habe, weshalb schon meine Mutter immer sagte: ›Hedwig, du wirst noch Jesum Christum erkennen lernen.‹ Und ich muß sagen, das hat sich bei Hofrats denn auch erfüllt. Aber fromm waren sie weiter nich." Während Hedwig noch so weiterklagte, h"rte man, daß draußen die Klingel ging, und als Frau Imme  "ffnete,  stand  Rudolf  auf  dem  kleinen  Flur  und  sagte,  daß  er  Vatern  holen  solle  und Hedwigen auch; Mutter müsse weg. "Na", sagte Frau Imme, "dann komm nur, Rudolf, und iß erst ein Stück Streusel und bestell es nachher bei deinem Vater." Bald danach nahm sie denn auch den Jungen bei der Hand und führte ihn in das Nebenzimmer, wo die drei Männer vergnügt an ihrem Skattisch saßen. Ein großes Spiel war eben gemacht; alles noch in Aufregung. Robinson, als er Rudolfen sah, nickte ihm zu und sagte zu Imme: "Das is ja der hübsche Junge, den ich vorhin auf dem Hof gesehen habe mit seinem hoop; nice boy." "Ja",  sagte  Imme,  "das  ist  unserm  Freund  Hartwig  seiner."  Hartwig  selbst  aber  rief  seinen Jungen heran und sagte: "Na, Rudolf, was gibt’s? Du willst mich holen. Du sollst aber auch noch ‘ne Freude haben. Kuck dir mal den Herrn da an, der dich so freundlich ansieht. Das is Robinson." "Haha." "Ja, Junge, warum lachst du? Glaubst du’s nich, wenn ich dir sage, das is Robinson?" "I bewahre, Vater. Robinson, den kenn’ ich. Robinson hat ‘nen Sonnenschirm und ein Lama. Un der is auch schon lange dod." Fünfzehntes Kapitel Unsere   Landpartieler   waren   im   Angesicht   von   Spindlersfelde   nach   dem   Eierhäuschen zurückgekehrt   und   hatten   sich   hier   an   zwei   dicht   am   Ufer   zusammengerückten   Tischen niedergelassen, eine Laube von Baumkronen über sich. Sperlinge hüpften umher und warteten auf ihre  Zeit.  Gleich  danach  erschien  auch  ein  Kellner,  um  die  Bestellungen  entgegenzunehmen.  Es entstand dabei die herk"mmliche Verlegenheitspause; niemand wußte was zu sagen, bis die Baronin auf den Stamm einer ihr gegenüberstehenden Ulme wies, drauf "Wiener Würstel" und daneben in noch dickeren Buchstaben das gefällige Wort "L"wenbräu" stand. In kürzester Frist erschien denn auch der Kellner wieder, und die Baronin hob ihr Seidel und ließ das Eierhäuschen und die Spree leben, zugleich versichernd, "daß man ein echtes Münchener überhaupt nur noch in Berlin tränke". Der  alte  Berchtesgaden  wollte  jedoch  nichts  davon  wissen  und  drang  in  seine  Frau,  lieber  mehr nach links zu rücken, um den Sonnenuntergang besser beobachten zu k"nnen; "der sei freilich in Berlin  ebenso  gut  wie  woanders".  Die  Baronin  hielt  aber  aus  und  rührte  sich  nicht.  "Was Sonnenuntergang! den seh’ ich jeden Abend. Ich sitze hier sehr gut und freue mich schon auf die Lichter." 75
  
Der Stechlin. (Sondereinband)
von Theodor Fontane
Siehe auch:
Frau Jenny Treibel.
von Theodor Fontane
Unwiederbringlich.
von Theodor Fontane
Die Welt des Adels. Die Poggenpuhls.
von Theodor Fontane
Cecile.
von Theodor Fontane
 
    
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum