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"Ich werde Nutzen aus dieser Lehre ziehen." "Ich glaub es nicht, Gräfin, und vor allem wünsch ich es nicht. Wer k"nnt es wünschen?" Sie drohte ihm mit dem Finger. Dann schwieg man wieder und sah auf die Landschaft, die da, wo der am Ufer hinlaufende Straßenzug breite Lücken aufwies, in tiefem Dunkel lag. Urpl"tzlich aber stieg gerad aus dem Dunkel heraus ein Lichtstreifen hoch in den Himmel und zerstob da, wobei rote und blaue Leuchtkugeln langsam zur Erde niederfielen. "Wie sch"n", sagte Melusine. "Das ist mehr, als wir erwarten durften; Ende gut, alles gut nun haben wir auch noch ein Feuerwerk. Wo mag es sein? Welche D"rfer liegen da hinüber? Sie sind ja so gut wie ein Generalstäbler, lieber Stechlin, Sie müssen es wissen. Ich vermute Friedrichsfelde. Reizendes Dorf und reizendes Schloß. Ich war einmal da; die Dame des Hauses ist eine Schwester der Frau von Hülsen. Ist es Friedrichsfelde?" "Vielleicht, gnädigste Gräfin. Aber doch nicht wahrscheinlich. Friedrichsfelde geh"rt nicht in die Reihe der Vororte, wo Feuerwerke sozusagen auf dem Programm stehen. Ich denke, wir lassen es im ungewissen und freuen uns der Sache selbst. Sehen Sie, jetzt beginnt es erst recht eigentlich. Die Rakete, die wir da vorhin gesehen haben, das war nur Vorspiel. Jetzt haben wir erst das Stück. Es ist zu weit ab, sonst würden wir das Knattern h"ren und die Kanonenschläge. Wahrscheinlich ist es Sedan oder Düppel oder der Übergang nach Alsen. Übrigens ist die Pyrotechnik eine profunde Wissenschaft geworden." "Und es soll auch Personen geben, die ganz dafür leben und ihr Verm"gen hinopfern wie früher die Holländer für die Tulpen. Tulpen wäre nun freilich nicht mein Geschmack! Aber Feuerwerk!" "Ja, unbedingt. Und nur schade, daß alle die, die damit zu tun haben, über kurz oder lang in die Luft fliegen." "Das ist fatal. Aber es steigert andrerseits doch auch wieder den Reiz. Sonderbar, gefahrlose Berufe, solche, die sozusagen eine Zipfelmütze tragen, sind mir von jeher ein Greuel gewesen. Interesse hat doch immer nur das Vabanque: Torpedoboote, Tunnel unter dem Meere, Luftballons. Ich denke mir, das Nächste, was wir erleben, sind Luftschifferschlachten. Wenn dann so eine Gondel die andre entert. Ich kann mich in solche Vorstellungen geradezu verlieben." "Ja, liebe Melusine, das seh ich", unterbrach hier die Baronin. "Sie verlieben sich in solche Vorstellungen und vergessen darüber die Wirklichkeiten und sogar unser Programm. Ich muß angesichts dieser doch erst kommenden Luftschifferschlachten ganz ergebenst daran erinnern, daß für heute noch wer anders in der Luft schwebt, und zwar Pastor Lorenz en. Von dem sollte die Rede sein. Freilich, der ist kein Pyrotechniker." "Nein", lachte Woldemar, "das ist er nicht. Aber als einen Aeronauten kann ich ihn beinahe vorstellen. Er ist so recht ein Excelsior, ein Aufsteigemensch, einer aus der wirklichen Obersphäre, genau von daher, wo alles Hohe zu Haus ist, die Hoffnung und sogar die Liebe." "Ja", lachte die Baronin, "die Hoffnung und sogar die Liebe! Wo bleibt aber das Dritte? Da müssens zu uns kommen. Wir haben noch das Dritte; das heißt also, wir wissen auch, was wir glauben sollen." "Ja, sollen." "Sollen, gewiß. Sollen, das ist die Hauptsache. Wenn man weiß, was man soll, so findt sichs schon. Aber wo das Sollen fehlt, da fehlt auch das Wollen. Es ist halt a Glück, daß wir Rom haben und den Heiligen Vater." "Ach", sagte Melusine, "wers Ihnen glaubt, Baronin! Aber lassen wir so heikle Fragen und h"ren wir lieber von dem, den ich ich bin beschämt darüber in so wenig verbindlicher Weise vergessen konnte, von unserm Wundermann mit der Studentenliebe, von dem Säulenheiligen, der reinen Herzens ist, und vor allem von dem Sch"pfer und geistigen Nährvater unsers Freundes Stechlin. Eh bien, was ist es mit ihm? An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen das k"nnt uns beinahe genügen. Aber ich bin doch für ein Weiteres. Und so denn: attention au jeu. Unser Freund Stechlin hat das Wort." "Ja, unser Freund Stechlin hat das Wort", wiederholte Woldemar, "so sagen Sie gütigst, Frau Gräfin. Aber dem nachkommen ist nicht so leicht. Vorhin, da war ich im Zuge. Jetzt wieder damit anfangen, das hat seine Schwierigkeiten. Und dann erwarten die Damen immer eine 78 |  |
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