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Der Stechlin

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Namens gekommen waren, bog Woldemar vorsichtig nach links hin aus, weil er der M"glichkeit entgehen wollte, seiner Tante Adelheid, der Domina des Klosters, zu begegnen. Er stand zwar gut mit  dieser  und  hatte  sogar  vor,  ihr,  wie  herk"mmlich,  auf  dem  Rückwege  nach  Berlin  seinen Besuch zu machen; aber in diesem Augenblick paßte ihm solche Begegnung, die sein pünktliches Eintreffen in Stechlin gehindert haben würde, herzlich schlecht. So beschrieb er denn einen weiten Halbkreis  und  hatte  das  Kloster  schon  um  eine  Viertelstunde  hinter  sich,  als  er  sich  wieder  der Hauptstraße  zuwandte.  Diese,  durch  Moor  und  Wiesengründe  führend,  war  ein  vorzüglicher Reitweg,  der  an  vielen  Stellen  noch  eine  Grasnarbe  trug,  weshalb  es  anderthalb  Meilen  lang  in einem scharfen Trabe vorwärts ging, bis an eine Avenue heran, die geradlinig auf Schloß Stechlin zuführte. Hier ließen alle drei die Zügel fallen und ritten im Schritt weiter. Über ihnen w"lbten sich die  sch"nen  alten  Kastanienbäume,  was  ihrem  Anritt  etwas  Anheimelndes  und  zugleich  etwas beinah Feierliches gab. "Das ist ja wie ein Kirchenschiff", sagte Rex, der am linken Flügel ritt. "Finden Sie nicht auch, Czako?" "Wenn  Sie  wollen,  ja.  Aber  Pardon,  Rex,  ich  finde  die  Wendung  etwas  trivial  für  einen Ministerialassessor." "Nun gut, dann sagen Sie was Besseres." "Ich werde mich hüten. Wer unter solchen Umständen was Besseres sagen will, sagt immer was Schlechteres." Unter  diesem  sich  noch  eine  Weile  fortsetzenden  Gespräche  waren  sie  bis  an  einen  Punkt gekommen,  von  dem  aus  man  das  am  Ende  der  Avenue  sich  aufbauende  Bild  in  aller  Klarheit überblicken konnte. Dabei war das Bild nicht bloß klar, sondern auch so frappierend, daß Rex und Czako unwillkürlich anhielten. "Alle  Wetter,  Stechlin,  das  ist  ja  reizend",  wandte  sich  Czako  zu  dem  am  andern  Flügel reitenden Woldemar. "Ich find’ es geradezu märchenhaft, Fata Morgana – das heißt, ich habe noch keine  gesehn.  Die  gelbe  Wand,  die  da  noch  das  letzte  Tageslicht  auffängt,  das  ist  wohl  Ihr Zauberschloß? Und das Stückchen Grau da links, das taxier’ ich auf eine Kirchenecke. Bleibt nur noch der Staketzaun an der andern Seite; – da wohnt natürlich der Schulmeister. Ich verbürge mich, daß ich’s damit getroffen. Aber die zwei schwarzen Riesen, die da grad in der Mitte stehn und sich von  der  gelben  Wand  abheben  (›abheben‹  ist  übrigens  auch  trivial;  entschuldigen  Sie,  Rex),  die stehen ja da wie die Cherubim. Allerdings etwas zu schwarz. Was sind das für Leute?" "Das sind Findlinge." "Findlinge?" "Ja, Findlinge", wiederholte Woldemar. "Aber wenn Ihnen das Wort anst"ßig ist, so k"nnen Sie sie auch Monolithe nennen. Es ist merkwürdig, Czako, wie hochgradig verw"hnt im Ausdruck Sie sind,  wenn  Sie  nicht  gerade  selber  das  Wort  haben  ...  Aber  nun,  meine  Herren,  müssen  wir  uns wieder in Trab setzen. Ich bin überzeugt, mein Papa steht schon ungeduldig auf seiner Rampe, und wenn er uns so im Schritt ankommen sieht, denkt er, wir bringen eine Trauernachricht oder einen Verwundeten." Wenige  Minuten  später,  und  alle  drei  trabten  denn  auch  wirklich,  von  Fritz  gefolgt,  über  die Bohlenbrücke fort, erst in den Vorhof hinein und dann an der blanken Glaskugel vorüber. Der Alte stand bereits auf der Rampe, Engelke hinter ihm und hinter diesem Martin, der alte Kutscher. Im Nu waren alle drei Reiter aus dem Sattel, und Martin und Fritz nahmen die Pferde. So trat man in den Flur.  "Erlaube,  lieber  Papa,  dir  zwei  liebe  Freunde  von  mir  vorzustellen:  Assessor  von  Rex, Hauptmann von Czako." Der alte Stechlin schüttelte jedem die Hand und sprach ihnen aus, wie glücklich er über ihren Besuch sei. "Seien Sie mir herzlich willkommen, meine Herren. Sie haben keine Ahnung, welche Freude Sie mir machen, mir, einem vergrätzten, alten Einsiedler. Man sieht nichts mehr, man h"rt nichts mehr. Ich hoffe auf einen ganzen Sack voll Neuigkeiten." "Ach, Herr Major", sagte Czako, "wir sind ja schon vierundzwanzig Stunden fort. Und, ganz abgesehen  davon,  wer  kann  heutzutage  noch  mit  den  Zeitungen  konkurrieren!  Ein  Glück,  daß 8
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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