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Der Stechlin

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davon. Das Haus hier vor uns ist wohl Ihr Schulhaus’? Weiß gestrichen und kein Fetzchen Gardine, das  ist  immer  ‘ne  preußische  Schule.  So  wird  bei  uns  die  Volksseele  für  das,  was  sch"n  ist, großgezogen.  Aber  es  kommt  auch  was  dabei  heraus!  Mitunter  wundert’s  mich  nur,  daß  sie  die Bauten aus der Zeit Friedrich Wilhelms I. nicht besser konservieren. Eigentlich war das doch das Ideal.   Graue   Wand,   hundert   L"cher   drin   und   unten   großes   Hauptloch.   Und   natürlich   ein Schilderhaus daneben. Letzteres das Wichtigste. Schade, daß so was verlorengeht. Übrigens rettet hier der grüne Staketenzaun das Ganze ... Wie heißt doch der Lehrer?" "Krippenstapel." "Richtig, Krippenstapel. Katzler nannte ihn ja während der Sitzung mit einer Art Aplomb. Ich erinnere mich noch, wie mir der Name wohltat, als ich ihn das erstemal h"rte. So heißt nicht jeder. Wie kommen Sie mit dem Manne aus?" "Sehr gut, Herr Superintendent." "Freut mich aufrichtig. Aber es muß ein Kunststück sein. Er hat ein Gesicht wie ‘ne Eule. Dabei so   was   Steifleinenes   und   zugleich   Selbstbewußtes.   Der   richtige   Lehrer.   Meiner   in   Quaden- Hennersdorf war ebenso. Aber er läßt nun schon ein bißchen nach ." Unter  diesen  Worten  waren  sie  bis  an  die  Pfarre  gekommen,  in  der  man,  ohne  daß  ein  Bote vorausgeschickt  worden  wäre,  doch  schon  wußte,  daß  der  Herr  Sup erintendent  miterscheinen würde. Nun war er da. Nur wenige Minuten waren seit dem Aufbruch vom Krug her vergangen, die trotz Kürze für Frau Kulicke (eine Lehrerswitwe, die Lorenzen die Wirtschaft führte) ausgereicht hatten, alles in Schick und Ordnung zu bringen. Auf dem länglichen Hausflur, an dessen äußerstem Ende man gleich beim Eintreten die blinkblanke Küche sah, brannten ein paar helle Paraffinkerzen, während  rechts  daneben,  in  der  offenstehenden  Studierstube,  eine  große  Lampe  mit  grünem Bilderschirm  ein  gedämpftes  Licht  gab.  Lorenzen  schob  den  Sofatisch,  darauf  Zeitungen  hoch aufgeschichtet lagen, ein wenig zurück und bat Koseleger, Platz zu nehmen. Aber dieser, eben jetzt das große Bild bemerkend, das in beinahe reicher Umrahmung über dem Sofa hing, nahm den ihm angebotenen Platz nicht gleich ein, sondern sagte, sich über den Tisch vorbeugend: "Ah, gratuliere, Lorenzen. Kreuzabnahme; Rubens. Das ist ja ein wundersch"ner Stich. Oder eigentlich Aquati nta. Dergleichen wird hier wohl im siebenmeiligen Umkreis nicht oft betroffen werden, nicht einmal in dem  etwas  herausgepufften  Rheinsberg;  in  Rheinsberg  war  man  für  Watteausche  Reifrockdamen auf einer Schaukel, aber nicht für Kreuzabnahmen und dergleichen. Und stammt auch sicher nicht aus dem sogenannten Schloß Ihres liebenswürdigen alten Herrn drüben, Riesenkate mit Glaskugel davor. Ach, wenn ich diese Glaskugeln sehe. Und daneben das hier! Wissen Sie, Lorenzen, das Bild hier  ruft  mir  eine  sch"ne  Stunde  meines  Lebens  zurück,  einen  Reisetag,  wo  ich  mit  Großfürstin Wera vom Haag aus in Antwerpen war. Da sah ich das Bild in der Kathedrale. Waren Sie da?" Lorenzen verneinte. "Das wäre was für Sie. Dieser Rubens im Original, in seiner Farbenallgewalt. Es heißt immer, daß  er  nur  Flamänderinnen  hätte  malen  k"nnen.  Nun,  das  wäre  wohl  auch  noch  nicht  das Schlimmste gewesen. Aber er konnte mehr. Sehen Sie den Christus. Wohl jedem, der draußen war, und zu dem die Welt mal in andern Zungen redete! Hier blüht der Bilderbogen, Türke links, Russe rechts. Ach, Lorenzen, es ist traurig, hier versauern zu müssen." Als er so gesprochen, ließ er sich, vor sich hinstarrend, in die Sofaecke nieder, ganz wie in andre Zeiten verloren, und sah erst wieder auf, als ein junges Ding ins Zimmer trat, groß und schlank und blond, und dem Pastor verlegen und err"tend etwas zuflüsterte. "Meine  gute  Frau  Kulicke",  sagte  Lorenzen,  "läßt  eben  fragen,  ob  wir  unsern  Imbiß  im Nebenzimmer nehmen wollen? Ich m"chte beinahe glauben, es ist das beste, wir bleiben hier. Es heißt zwar, ein Eßzimmer müsse kalt sein. Nun, das hätten wir nebenan. Ich pers"nlich finde jedoch das Temperierte besser. Aber ich bitte, bestimmen zu wollen, Herr Superintendent." "Temperiert. Mir aus der Seele gesprochen. Also wir bleiben, wo wir sind ... Aber sagen Sie mir, Lorenzen,  wer  war  das  entzückende  Gesch"pf?  Wie  ein  Bild  von  Knaus.  Halb  Prinzeß,  halb Rotkäppchen. Wie alt ist sie denn?" "Siebzehn. Eine Nichte meiner guten Frau Kulicke." 87
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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