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Der Stechlin

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"Siebzehn. Ach, Lorenzen, wie Sie zu beneiden sind. Immer solche Menschenblüte zu sehn. Und siebzehn, sagen Sie. Ja das ist das Eigentliche. Sechzehn hat noch ein b ißchen von der Eierschale, noch  ein  bißchen  den  Einsegnungscharakter,  und  achtzehn  ist  schon  wieder  alltäglich.  Achtzehn kann jeder sein. Aber siebzehn. Ein wunderbarer Mittelzustand. Und wie h eißt sie?" "Elfriede." "Auch das noch." Lorenzen wiegte den Kopf und lächelte. "Ja,  Sie  lächeln,  Lorenzen,  und  wissen  nicht,  wie  gut  Sie’s  haben  in  dieser  Ihrer  Waldpfarre. Was  ich  hier  sehe,  heimelt  mich  an,  das  ganze  Dorf,  alles.  Wenn  ich  mir  da  beispielsweise  den Tisch wieder vergegenwärtige, dran wir, drüben im Krug, vor einer halben Stunde gesessen haben, an  der  linken  Seite  dieser  Krippenstapel  (er  sei,  wie er sei) und an der rechten Seite dieser Rolf Krake. Das sind ja doch lauter Gr"ßen. Denn das Groteske hat eben auch seine Gr"ßen, und nicht die schlechtesten. Und dazu dieser Katzler mit seiner Ermyntrud. All das haben Sie dicht um sich hier und dazu dies Kind, diese Elfriede, die hoffentlich nicht Kulicke heißt – sonst bricht freilich mein   ganzes   Begeisterungsgebäude   wieder   zusammen.   Und   nun   nehmen   Sie   mich,   Ihren Superintendenten,  das  große  Kirchenlicht  dieser  Gegenden!  Alles  nackte  Prosa,  widerhaarige Kollegen  und  Amtsbrüder,  die  mir  nicht  verzeihen  k"nnen,  daß  ich  im  Haag  war  und  mit  einer Großfürstin  über  Land  fahren  konnte.  Glauben  Sie  mir,  Großfürstinnen,  selbst  wenn  sie  Mängel haben (und sie haben Mängel), sind mir immer  noch lieber als das Landesgewächs von Quaden- Hennersdorf, und mitunter ist mir zumut, als gäbe es keine Weltordnung mehr." "Aber Herr Superintendent ..." "Ja, Lorenzen, Sie setzen ein überraschtes Gesicht auf und wundern sich, daß einer, für den die hohe Klerisei so viel getan und ihn zum Superintendenten in der gesegneten Mittelmark und der noch  gesegneteren  Grafschaft  Ruppin  gemacht  hat,  –  Sie  wundern  sich,  daß  solch  zehnmal Glücklicher solchen Hochverrat redet. Aber bin ich ein Glücklicher ? Ich bin ein Unglücklicher ..." "Aber Herr Superintendent ..." "... Und m"chte, daß ich eine Hundertfünfzig-Seelen-Gemeinde hätte, sagen wir auf dem ›toten Mann‹ oder in der Tuchler Heide. Sehen Sie, dann wär’ es vorbei, dann wüßt’ ich bestimmt: ›du bist in den Skat gelegt‹. Und das kann unter Umständen ein Trost sein. Die Leute, die Schiffbruch gelitten und nun in einer Isolierzelle sitzen und Tüten kleben oder Wolle zupfen, das sind nicht die Unglücklichsten.  Unglücklich  sind  immer  bloß  die  Halben.  Und  als  einen  solchen  habe  ich  die Ehre, mich Ihnen vorzustellen. Ich bin ein Halber, vielleicht sogar in dem, worauf es ankommt; aber lassen wir das, ich will hier nur vom allgemein Menschlichen sprechen. Und daß ich auch in diesem Menschlichen ein Halber bin, das quält mich. Über das andre käm’ ich vielleicht weg." Lorenzens Augen wurden immer gr"ßer. "Sehen Sie, da war ich also – verzeihen Sie, daß ich immer wieder darauf zurückkomme –, da war ich also mit siebenundzwanzig im Haag und kam in die vornehme Welt, die da zu Hause ist. Und da war ich denn heut in Amsterdam und morgen in Scheveningen und den dritten Tag in Gent oder in Brügge. Brügge, Reliquienschrein, Hans Memling – so was müßten Sie sehn. Was sollen uns  diese  ewigen  Markgrafen  oder  gar  die  faule  Grete?  Mancher,  ich  weiß  wohl,  ist  fürs  härene Gewand oder zum Eremiten geboren. Ich nicht. Ich bin von der andern Seite; meine Seele hängt an Leben und Sch"nheit. Und nun spricht da draußen all dergleichen zu einem, und man tränkt sich damit und hat einen Ehrgeiz, nicht einen kindischen, sondern einen echten, der h"her hinauf will, weil man da wirken und schaffen kann, für sich gewiß, aber auch für andre. Danach dürstet eine n. Und  nun  kommt  der  Becher,  der  diesen  Durst  stillen  soll.  Und  dieser  Becher  heißt  Q uaden- Hennersdorf.   Das   Dorf,   das   mich   umgibt,   ist   ein   großes   Bauerndorf,   aufgesteifte   Leute, geschwollen und hartherzig, und natürlich so trocken und trivial, wie die Leute hier alle sind. Und noch stolz darauf. Ach, Lorenzen, immer wieder, wie beneide ich Sie!" Während Koseleger noch so sprach, erschien Frau Kulicke. Sie schob die Zeitungen zurück, um zwei Kuverts legen zu k"nnen, und nun brachte sie den Rotwein und ein Kabarett mit Br"tchen. In dünngeschliffene große Gläser schenkte Lorenzen ein, und die beiden Amtsbrüder stießen an "auf 88
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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