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Der Stechlin

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bessere Zeiten". Aber sie dachten sich sehr Verschiedenes dabei, weil sich der eine nur mit sich, der andre nur mit andern beschäftigte. "Wir  k"nnten,  glaub’  ich",  sagte  Lorenzen,  "neben  den  ›besseren  Zeiten‹  noch  dies  und  das leben lassen. Zunächst Ihr Wohl, Herr Superintendent. Und zum zweiten auf das Wohl unsers guten alten Stechlin, der uns doch heute zusammengeführt. Ob wir ihn durchbringen? Katzler tat so sicher und  Kluckhuhn  und  Krippenstapel  nun  schon  ganz  gewiß.  Aber  ich  habe  trotzdem  Zweifel.  Die Konservativen – ich kann kaum sagen ›unsere Parteigenossen‹, oder doch nur in sehr bedingtem Sinne –, die Konservativen sind in sich gespalten. Es gibt ihrer viele, denen unser alter Stechlin um ein gut Teil zu flau ist. ›Fortiter in re, suaviter in modo‹, hat neulich einer, der sich auf Bildung ausspielt, von dem Alten gesagt, und von ›suaviter‹, wenn auch nur ›in modo‹, wollen alle diese Herren  nichts  wissen.  Unter  diesen  Ultras  ist  natürlich  auch  Gundermann  auf  Siebenmühlen,  der Ihnen vielleicht bekannt geworden ist ..." "Versteht sich. War neulich bei mir. Ein Mann von drei Redensarten, von denen die zwei besten aus der Wassermüllersphäre genommen sind." "Nun,  dieser  Gundermann,  wie  immer  die  Dummen,  ist  zugleich  Intrigant,  und  während  er vorgibt, für unsern guten alten Stechlin zu werben, tropft er den Leuten Gift ins Ohr und erzählt ihnen, daß der Alte senil sei und keinen Schneid habe. Der alte Stechlin hat aber mehr Schneid als sieben  Gundermanns.  Gundermann  ist  ein  Bourgeois  und  ein  Parvenu,  also  so  ziemlich  das Schlechteste,  was  einer  sein  kann.  Ich  bin  schon  zufrieden,  wenn  dieser  Jämmerling  unterliegt. Aber um den Alten bin ich besorgt. Ich kann nur wiederholen: es liegt nicht so günstig für ihn, wie die Gegend hier sich einbildet. Denn auf das arme Volk ist kein Verlaß. Ein Versprechen und ein Kornus, und alles schnappt ab." "Ich werde das meine tun", sagte Koseleger mit einer Mischung von Pathos und Wohlwollen. Aber  Lorenzen  hatte  dabei  den  Eindruck,  daß  sein  Quaden-Hennersdorfer  Superintendent  bereits ganz  andern  Bildern  nachhing.  Und  so  war  es  auch.  Was  war  für  Koseleger  diese  traurige Gegenwart? Ihn beschäftigte nur die Zukunft, und wenn er in die hineinsah, so sah er einen langen, langen   Korridor   mit   Oberlicht   und   am   Ausgang   ein   Klingelschild   mit   der   Aufschrift:   "Dr. Koseleger, Generalsuperintendent". So ziemlich um dieselbe Stunde, wo die beiden Amtsbrüder "auf bessere Zeiten" anstießen, hielt Katzlers  Pürschwagen  –  die  Sterne  blinkten  schon  –  vor  seiner  Oberf"rsterei.  Das  Blaffen  der Hunde, das, solange der Wagen noch weitab war, unausgesetzt über die Waldwiese hingeklungen war,  verkehrte  sich  mit  einem  Male  in  winseliges  Geheul  und  wunderliche  Freudent"ne.  Katzler sprang  aus  dem  Wagen,  hing  den  Hut  an  einen  im  Flur  stehenden  Ständer  (von  den  ewigen "Geweihen" wollte er als feiner Mann nichts wissen) und trat gleich danach in das an der linken Flurseite gelegene, matt erleuchtete Wohnzimmer seiner Frau. Das gedämpfte Licht ließ sie noch blasser erscheinen, als sie war. Sie hatte sich, als der Wagen hielt, von ihrem Sofaplatz erhoben und kam  ihrem  Manne,  wie  sie  regelmäßig  zu  tun  pflegte,  wenn  er  aus  dem  Walde  zurückkehrte,  zu freundlicher   Begrüßung   entgegen.   Ein   als   Weihnachtsgeschenk   für   eine   jüngere   Schwester bestimmtes   Batisttuch,   in   das   sie   eben   die   letzte   Zacke   der   Ippe-Büchsenstein schen   Krone hineinstickte, hatte sie, bevor sie sich vom Sofa erhob, aus der Hand gelegt. Sie war nicht sch"n, dazu von einem lymphatisch-sentimentalen Ausdruck, aber ihre stattliche Haltung und mehr noch die   Art,   wie   sie   sich   kleidete,   ließen   sie   doch   als   etwas   durchaus   Apartes   und   beinahe Fremdländisches erscheinen. Sie trug, nach Art eines Morgenrockes, ein glatt herabhängendes, leis gelbget"ntes   Wollkleid   und   als   Eigentümlichstes   einen   aus   demselben   gelblichen   Wollstoff hergestellten Kopfputz, von dem es unsicher blieb, ob er einen Turban oder eine Krone darstellen sollte.  Das  Ganze  hatte  etwas  Gewolltes,  war  aber  neben  dem  Auffälligen  doch  auch  wieder kleidsam. Es sprach sich ein Talent darin aus, etwas aus sich zu machen. "Wie glücklich bin ich, daß du wieder da bist", sagte Ermyntrud. "Ich habe mich recht gebangt, diesmal nicht um dich, sondern um mich. Ich muß dies egoistischerweise gestehen. Es waren recht schwere Stunden für mich, die ganze Zeit, daß du fort warst." Er  küßte  ihr  die  Hand  und  führte  sie  wieder  auf  ihren  Platz  zurück.  "Du  darfst  nicht  stehen, Ermyntrud.  Und  nun  bist  du  auch  wieder  bei  der  Stickerei.  Das  strengt  dich  an  und  hat,  wie  du 89
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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