Title:

Der Stechlin

Home
deutsch
  
ISBN: 3140224109   ISBN: 3140224109   ISBN: 3140224109   ISBN: 3140224109 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

Das  kleine  Dienstmädchen,  eine  Heideläufertochter,  deren  storres  Haar,  von  keiner  Bürste gezähmt,  immer  weit  abstand,  erschien  in  diesem  Augenblicke,  meldend,  daß  sie  das  Teezeug gebracht habe. Katzler nahm seiner Frau Arm, um sie bis in das zweite, nach dem Hof hinaus gelegene Zimmer zu führen. Als er aber wahrnahm, wie schwer ihr das Gehen wurde, sagte er: "Ich freue mich, dich so sprechen zu h"ren. Immer du selbst. Ich bin aber doch in Unruhe und will morgen früh zur Frau schicken." Sie nickte zustimmend, während ein halb zärtlicher Blick den guten Katzler streifte, der, solange das  ihm  nur  zu  wohlbekannte  Gespräch  über  Pflicht  gedauert  hatte,  von  Minute  zu  Minute verlegener geworden war. Neunzehntes Kapitel Und nun war Wahltagmorgen. Kurz vor acht erschien Lorenzen auf dem Schloß, um in Dubslavs schon  auf  der  Rampe  haltenden  Kaleschwagen  einzusteigen  und  mit  nach  Rheinsberg  zu  fahren. Der Alte, bereits gestiefelt und gespornt, empfing ihn mit gewohnter Herzlichkeit und guter Laune. "Das ist recht, Lorenzen. Und nun wollen wir auch gleich aufsteigen. Aber warum haben Sie mich nicht  an  Ihrem  Pfarrgarten  erwartet?  Muß  ja  doch  dran  vorüber"  –  und  dabei  schob  er  ihm  voll Sorglichkeit eine Decke zu, während die Pferde schon anrückten. "Übrigens freut es mich trotzdem (man  widerspricht  sich  immer),  daß  Sie  nicht  so  praktisch  gewesen  und  doch  lieber  gekommen sind.  Es  is  ‘ne  Politesse.  Und  die  Menschen  sind  jetzt  so  schrecklich  unpoliert  und  geradezu unmanierlich ... Aber lassen wir’s; ich kann es nicht ändern, und es  grämt mich auch nicht." "Weil  Sie  gütig  sind  und  jene  Heiterkeit  haben,  die,  menschlich  angesehn,  so  ziemlich  unser Bestes ist." Dubslav  lachte.  "Ja,  so  viel  ist  richtig;  Kopfhängerei  war  nie  meine  Sache,  und  wäre  das verdammte Geld nicht ... H"ren Sie, Lorenzen, das mit dem Mammon und dem Goldnen Kalb, das sind doch eigentlich alles sehr feine Sachen." "Gewiß, Herr von Stechlin." "... Und wäre das verdammte Geld nicht, so hätt’ ich den Kopf noch weniger hängen lassen, als ich  getan.  Aber  das  Geld.  Da  war,  noch  unter  Friedrich  Wilhelm  III.,  der  alte  General  von  der Marwitz  auf  Friedersdorf,  von  dem  Sie  gewiß  mal  geh"rt  haben,  der  hat  in  seinen  Memoiren irgendwo  gesagt:  ›er  hätte  sich  aus  dem  Dienst  gern  schon  früher  zurückgezogen  und  sei  bloß geblieben um des Schlechtesten willen, was es überhaupt gäbe, um des Geldes willen‹ – und das hat damals, als ich es las, einen großen Eindruck auf mich gemacht. Denn es geh"rt was dazu, das so ruhig  auszusprechen.  Die  Menschen  sind  in  allen  Stücken  so  verlogen  u nd  unehrlich,  auch  in Geldsachen, fast noch mehr als in Tugend. Und das will was sagen. Ja, Lorenzen, so ist es ... Na lassen wir’s, Sie wissen ja auch Bescheid. Und dann sind das schließlich auch keine Betrachtungen für  heute,  wo  ich  gewählt  werden  und  den  Triumphator  spielen  soll.  Übrigens  geh’  ich  einem totalen Kladderadatsch entgegen. Ich werde nicht gewählt." Lorenzen wurde verlegen, denn was Dubslav da zuletzt sagte, das stimmte nur zu sehr mit seiner eigenen  Meinung.  Aber  er  mußte  wohl  oder  übel,  so  schwer  es  ihm  wurde,  das  Gegenteil versichern. "Ihre Wahl, Herr von Stechlin, steht, glaub’ ich, fest; in unsrer Gegend wenigstens. Die Globsower und Dagower gehen mit gutem Beispiel voran. Lauter gute Leute." "Vielleicht. Aber schlechte Musikanten. Alle  Menschen sind Wetterfahnen, ein bißchen mehr, ein bißchen weniger. Und wir selber machen’s auch so. Schwapp, sind wir auf der andern Seite." 91
  
EinFach Deutsch - Textausgaben: Theodor Fontane: Effi Briest. Textausgabe (Lernmaterialien) (EinFach Deutsch) (Broschiert)
von Theodor Fontane,
Stefan Volk
Siehe auch:
EinFach Deutsch - Textausgaben: Woyzeck
von Georg Büchner
EinFach Deutsch - Textausgaben: Faust. Mit Materialien. Der Tragödie erster Teil. (Lernmaterialien) (EinFach Deutsch)
von Johann W. von Goethe
Interpretationshilfe Deutsch: Effi Briest. Interpretationshilfe Deutsch. (Lernmaterialien)
von Gabrielle Steinbach
Theodor Fontane: Effi Briest. Lektüreschlüssel
von Theodor Pelster
 
    
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum