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Der Stechlin

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"Ja, schwach ist jeder, und ich mag mich auch nicht für all und jeden verbürgen. Aber in diesem speziellen Falle ... Selbst Koseleger schien mir voll Zuversicht und Vertrauen, als er am Donnerstag noch mit mir plauderte." "Koseleger voll Vertrauen! Na, dann geht es gewiß in die Brüche. Wo Koseleger Amen sagt, das ist  schon  so  gut  wie  Letzte  Ölung.  Er  hat  keine  glückliche  Hand,  dieser  Ihr  Amtsbruder  und Vorgesetzter." "Ich teile leider einigermaßen Ihre Bedenken gegen ihn. Aber was vielleicht mit ihm vers"hnen kann, er hat angenehme Formen und durchaus etwas Verbindliches." "Das hat er. Und doch, sosehr ich sonst für Formen und Verbindlichkeiten bin, nicht für seine. Man soll einem Menschen nicht seinen Namen vorhalten. Aber Koseleger! Ich weiß immer nicht, ob er mehr Kose oder mehr Leger ist; vielleicht beides gleich. Er ist wie ‘ne Baisertorte, süß, aber ungesund. Nein, Lorenzen, da bin ich doch mehr für Sie. Sie taugen auch nicht viel, aber Sie sind doch wenigstens ehrlich." "Vielleicht",  sagte  Lorenzen.  "Übrigens  hat  Koseleger  inmitten  seiner  Verbindlichkeiten  und sch"nen  Worte  doch  auch  wieder  was  Freies,  beinah  Gewagtes  und  ist  mir  da  neulich  mit Bekenntnissen gekommen, fast wie ein Charakter." Dubslav lachte hell auf. "Charakter. Aber Lorenzen. Wie k"nnen Sie sich so hinters Licht führen lassen.  Ich  verwette  mich,  er  hat  Ihnen  irgendwas  über  Ihre  ›Gaben‹  gesagt;  das  ist  jetzt  so Lieblingswort, das die Pastoren immer gegenseitig brauchen. Es soll bescheiden und unpers"nlich klingen  und  sozusagen  alles  auf  Inspiration  zurückführen. für die man ja, wie für alles, was von oben kommt, am Ende nicht kann. Es ist aber gerade dadurch das Hochmütigste ... War es so was? Hat er meinen klugen Lorenzen, eh’ er sich als ›Charakter‹ ausspielte, durch solche Schmeicheleien eingefangen?" "Es  war  nicht  so,  Herr  von  Stechlin.  Sie  tun  ihm  hier  ausnahmsweise  unrecht.  Er  sprach überhaupt nicht über mich, sondern über sich, und machte mir dabei seine Confessions. Er gestand mir beispielsweise, daß er sich unglücklich fühle." "Warum?" "Weil er in Quaden-Hennersdorf deplaciert sei." "Deplaciert.  Das  ist  auch  solch  Wort;  das  kenn’  ich.  Wenn  man  durchaus  will,  ist  jeder deplaciert, ich, Sie, Krippenstapel, Engelke. Ich müßte Präses von einem Stammtisch oder vielleicht auch ein Badedirektor sein, Sie Missionar am Kongo, Krippenstapel Kustos an einem märkischen Museum und Engelke, nun, der müßte gleich selbst hinein, Nummer hundertdreizehn. Deplaciert! Alles bloß Eitelkeit und Gr"ßenwahn. Und dieser Koseleger mit dem Konsistorialratskinn! Er war Galopin  bei  ‘ner  Großfürstin;  das  kann  er  nicht  vergessen,  damit  will  er’s  nun  zwingen,  und  in seinem Ärger und Unmut spielt er sich auf den Charakter aus und versteigt sich, wie Sie sagen, bis zu Confessions und Gewagtheiten. Und wenn er nun reüssierte (Gott ve rhüt’ es), so haben Sie den Scheiterhaufenmann comme il faut. Und der erste, der rauf muß, das sind Sie. Denn er wird sofort das   Bedürfnis   spüren,   seine   Gewagtheiten   von   heute   durch   irgendein   Brandopfer   wieder wettzumachen." Unter diesem Gespräche waren sie schließlich aus dem Walde heraus und näherten sich einem beinah  meilenlangen  und  bis  an  den  Horizont  sich  ausdehnenden  Stück  Bruchland,  über  das mehrere   mit   Kropfweiden   und   Silberpappeln   besetzte   Wege   strahlenf"rmig   auf   Rheinsberg zuliefen.  Alle  diese  Wege  waren  belebt,  meist  mit  Fußgängern,  aber  auch  mit  Fuhrwerken.  Eins davon, aus gelblichem Holz, das hell in der Sonne blinkte, war leicht zu erkennen. "Da fährt ja Katzler", sagte Dubslav. "Überrascht mich beinah. Es ist nämlich, was Sie vielleicht noch nicht wissen werden, wieder was einpassiert; er schickte mir heute früh einen Boten mit der Nachricht davon, und daraus schloß ich, er würde  nicht zur Wahl kommen. Aber Ermyntrud mit ihrer grandiosen Pflichtvorstellung wird ihn wohl wieder fortgeschickt haben." "Ist es wieder ein Mädchen?" fragte Lorenzen. "Natürlich, und zwar das siebente. Bei sieben (freilich müssen es Jungens sein) darf man, glaub’ ich, den Kaiser zu Gevatter laden. Übrigens sind mehrere bereits tot, und alles in allem ist es wohl 92
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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