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Der Stechlin

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m"glich, daß sich Ermyntrud über das beständige ›bloß Mädchen‹ allerlei Sorgen und Gedanken macht." Lorenzen  nickte.  "Kann  mir’s  denken,  daß  die  Prinzessin  etwas  wie  eine  zu  leistende  Sühne darin sieht, Sühne wegen des von ihr getanen Schrittes. Alles an ihr ist ein wenig überspannt. Und doch ist es eine sehr liebenswürdige Dame." "Wovon niemand überzeugter ist als ich", sagte Dubslav. "Freilich bin ich bestochen, denn sie sagt  mir  immer  das  Schmeichelhafteste.  Sie  plaudre  so  gern  mit  mir,  was  auch  am  Ende  wohl zutrifft.  Und  dabei  wird  sie  dann  jedesmal  ganz  ausgelassen,  trotzdem  sie  eigentlich  hochgradig sentimental   ist.   Sentimental,   was   nicht   überraschen   darf;   denn   aus   Sentimentalität   ist   doch schließlich  die  ganze  Katzlerei  hervorgegangen.  Bin  übrigens  ernstlich  in  Sorge,  wo  Hoheit  den richtigen  Taufnamen  für  das  Jüngstgeborene  hernehmen  wird.  In  diesem  Stücke,  vielleicht  dem einzigen, ist sie nämlich noch ganz und gar Prinzessin geblieben. Und Sie, lieber Lorenzen, w erden dabei sicherlich mit zu Rate gezogen werden." "Was ich mir nicht schwierig denken kann." "Sagen Sie das nicht. Es gibt in diesem Falle viel weniger Brauchbares, als Sie sich vorzustellen scheinen. Prinzessinnennamen an und für sich, ohne weitere Zutat, ja, die gibt es genug. Aber damit ist  Ermyntrud  nicht  zufrieden;  sie  verlangt  ihrer  Natur  nach  zu  dem  Dynastisch-Genealogischen auch  noch  etwas  poetisch  Märchenhaftes.  Und  das  kompliziert  die  Sache  ganz  erheblich.  Sie k"nnen das sehen, wenn Sie die Katzlersche Kinderstube durchmustern oder sich die Namen der bisher  Getauften  ins  Gedächtnis  zurückrufen.  Die  Katzlersche  Kronprinzeß  heißt  natürlich  auch Ermyntrud.   Und   dann   kommen   ebenso   selbstverständlich   Dagmar   und   Thyra.   Und   danach begegnen wir einer Inez und einer Maud und zuletzt einer Arabella. Aber  bei Arabella k"nnen Sie schon  deutlich  eine  gewisse  Verlegenheit  wahrnehmen.  Ich  würde  ihr,  wenn  sie  sich  wegen  des Jüngstgeborenen  an  mich  wendete,  was  Altjüdisches  vorschlagen;  das  ist  schließlich  immer  das Beste. Was meinen Sie zu Rebekka?" Lorenzen kam nicht mehr dazu, Dubslav diese Frage zu beantworten, denn eben jetzt waren sie durch  das  Stück  Bruchland  hindurch  und  rasselten  bereits  über  einen  ein  weiteres  Gespräch unm"glich machenden Steindamm weg, scharf auf Rheinsberg zu. Dubslav  war  in  ausgezeichneter  Laune.  Das  prachtvolle  Herbstwetter,  dazu  das  bunte  Leben, alles  hatte  seine  Stimmung  gehoben,  am  meisten  aber,  daß  er  unterwegs  und  beim  Passieren  der Hauptstraße  bereits  Gelegenheit  gehabt  hatte,  verschiedene  gute  Freun de  zu  begrüßen.  Von  der Kirche her schlug es zehn, als er vor dem als Wahllokal etablierten Gasthause "Zum Prinzregenten" hielt,   in   dessen   Front   denn   auch   bereits   etliche   mehr   oder   weniger   verwegen   aussehende Wahlmänner standen, alle bemüht, ihre Zettel an mutmaßliche Parteigenossen auszuteilen. Drinnen im Saal war der Wahlakt schon im Gange. Hinter der Urne präsidierte der alte Herr von Zühlen, ein guter Siebziger, der die groteskesten Feudalansichten mit ebenso grotesker Bonhomie zu verbinden wußte, was ihm, auch bei seinen politischen Gegnern, eine große Beliebtheit sicherte. Neben ihm, links und rechts, saßen Herr von Storbeck und Herr van dem Peerenboom, letzterer ein Holländer aus der Gegend von Delft, der vor wenig Jahren erst ein gro ßes Gut im Ruppiner Kreise gekauft  und  sich  seitdem  zum  Preußen  und,  was  noch  mehr  sagen  wollte,  zum  "Grafschaftler" herangebildet  hatte.  Man  sah  ihn  aus  allen  m"glichen  Gründen  –  auch  schon  um  seines  "van" willen  –  nicht  ganz  für  voll  an,  ließ  aber  nichts  davon  merken,  weil  er  der  bei  den  meisten Grafschaftlern  stark  ins  Gewicht  fallenden  Haupteigenschaft  eines  vor  so  und  soviel  Jahren  in Batavia  geborenen  holländisch-javanischen  Kaffeehändlers  nicht  entbehrte.  Seines  Nachbarn  von Storbeck    Lebensgeschichte    war    durchschnittsmäßiger.    Unter    denen,    die    sonst    noch    am Komiteetisch saßen, befand sich auch Katzler, den Ermyntrud (wie Dubslav ganz richtig vermutet) mit der Bemerkung, "daß im modernen bürgerlichen Staate Wählen so gut wie Kämpfen sei", von ihrem  Wochenbette  fortgeschickt  hatte.  "Das  Kind  wird  inzwischen  mein  Engel  sein,  und  das Gefühl erfüllter Pflicht soll mich bei Kraft erhalten." Auch Gundermann, der immer mit dabei sein mußte, saß am Komiteetisch. Sein Benehmen hatte was Aufgeregtes, weil er – wie Lorenzen bereits angedeutet – wirklich im geheimen gegen Dubslav intrigiert hatte. Daß er selber unterliegen würde , 93
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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