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Der Stechlin

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bloß  an  Italien  zurückdenke.  Sehen  Sie,  da  läuft  man  nu  so  rum,  was  einen  doch  am  Ende strap’ziert, und dabei dieser ewige pralle Sonnenschein. Ein paar Stunden geht es; aber wenn man nu schon zweimal Kaffee getrunken und Granito gegessen hat, und es ist noch nicht mal Mittag, ja, ich bitte Sie, was hat man da? Was fängt man da an? Geradezu schrecklich. Und da kann ich Ihnen bloß sagen, da bin ich ein kirchlicher Mensch geworden. Und wenn man dann so von der Seite her still eintritt und hat mit einem Male die Kühle um sich rum, ja, da will man gar nicht wieder raus und  sieht  sich  so  seine  funfzig  Bilder  an,  man  weiß  nicht  wie.  Is  doch  immer  noch  besser  als draußen.  Und  die  Zeit  vergeht,  und  die  Stunde,  wo  man  was  Reguläres  kriegt,  läppert  sich  so heran." "Ich  glaube  doch",  sagte  der  für  kirchliche  Kunst  schwärmende  Baron  Beetz,  "unser  Freund Gnewkow unterschätzt die Wirkung, die, vielleicht gegen seinen Willen, die Quattrocentisten auf ihn gemacht haben. Er hat ihre Macht an sich selbst empfunden; aber er will es nicht wahrhaben, daß die Frische von ihnen ausgegangen sei. Jeder, der was davon verst eht ..." "Ja, Baron, das is es eben. Wer was davon versteht! Aber wer versteht was davon? Ich jedenfalls nicht." Unter  diesen  Worten  war  man,  vom  "Prinzregenten"  aus,  die  Hauptstraße  hinuntergeschritten und über eine kleine Brücke fort erst in den Schloßhof und dann in den Park eingetreten. Der See plätscherte  leis.  Kähne  lagen  da,  mehrere  an  einem  Steg,  der  von  dem  Kiesufer  her  in  den  See hineinlief.   Ein   paar   der   Herren,   unter   ihnen   auch   Dubslav,   schritten   die   ziemlich   wacklige Bretterlage  hinunter  und  blickten,  als  sie  bis  ans  Ende  gekommen  waren,  wieder  auf  die  beiden Schloßflügel und ihre kurz abgestumpften Türme zurück. Der Turm rechts war der, wo Kronprinz Fritz sein Arbeitszimmer gehabt hatte. "Dort hat er gewohnt", sagte von der Nonne. "Wie begrenzt ist doch unser K"nnen. Mir weckt der Anblick solcher friderizianischen Stätten immer ein Schmerzgefühl über das Unzulängliche des Menschlichen überhaupt, freilich auch wieder ein Hochgefühl, daß wir dieser Unzulänglichkeit und Schwäche Herr werden k"nnen. Tod, wo ist dein Stachel; H"lle, w o ist dein Sieg? Dieser K"nig. Er war ein großer Geist, gewiß; aber doch auch ein verirrter Geist. Und je patriotischer wir fühlen, je schmerzlicher berührt uns die Frage nach dem Heil seiner Seele. Die Seelenmessen – das empfind’ ich in solchem Augenblicke – sind doch eine wirklich trostspendende Seite des Katholizismus, und daß es (selbstverständlich unter Gewähr eines h"chsten Willens) in die Macht Überlebender gelegt ist, eine Seele freizubeten, das ist und bleibt eine große Sache."   "Nonne", sagte Molchow, "machen Sie sich nicht komisch. Was haben Sie für ‘ne Vorstellung vom   lieben   Gott?   Wenn   Sie   kommen   und   den   Alten   Fritzen   freibeten   wollen,   werden   Sie rausgeschmissen." Baron  Beetz  –  auch  ein  Anzweifler  des  Philosophen  von  Sanssouci  –  wollte  seinem  Freunde Nonne zu Hilfe kommen und erwog einen Augenblick ernstlich, ob er nicht seinen in der ganzen Grafschaft längst bekannten Vortrag über die "schiefe Ebene" oder "c’est le premier pas qui coûte" noch  einmal  zum  besten  geben  solle.  Klugerweise  jedoch  ließ  er  es  wieder  fallen  und  war einverstanden,  als  Dubslav  sagte:  "Meine  Herren,  ich  meinerseits  schlage  vor,  daß  wir  unsern Auslug  von  dem  Wackelstege,  drauf  wir  hier  stehen  (jeden  Augenblick  kann  einer  von  uns   ins Wasser fallen), endlich aufgeben und uns lieber in einem der hier herumliegenden Kähne über den See  setzen  lassen.  Unterwegs,  wenn  noch  welche  da  sind,  k"nnen  wir  Teichrosen  pflücken  und drüben am andern Ufer den großen Prinz Heinrich-Obelisken mit seinen franz"sischen Inschriften durchstudieren.  Solche  Rekapitulation  stärkt  einen  immer  historisch  und  patriotisch,  und  unser Etappenfranz"sisch kommt auch wieder zu Kräften." Alle waren einverstanden, selbst Nonne. Gegen vier war man von dem Ausfluge zurück und hielt wieder vor dem "Prinzregenten", auf einem mit alten Bäumen besetzten Platz, der wegen seiner Dreiecksform schon von alter Zeit her den Namen Triangelplatz führte. Die Wahlresultate lagen noch keineswegs sicher vor; es ließ sich aber schon ziemlich deutlich erkennen, daß viele Fortschrittlerstimmen auf den sozialdemokratischen Kandidaten, Feilenhauer Torgelow, übergehen würden, der, trotzdem er nicht pers"nlich zugegen war, die kleinen Leute hinter sich hatte. Hunderte seiner Parteigenossen standen 95
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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