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Der Stechlin

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Das Offizielle war hierdurch erledigt, und eine gewisse Fidelitas, an der es übrigens von Anfang an nicht gefehlt hatte, konnte jetzt nachhaltiger in ihr Recht treten. Allerdings war noch immer ein wichtiger und zugleich schwieriger Toast in Sicht, der, der sich mit Dubslav und dem unglücklichen Wahlausgange zu beschäftigen hatte. Wer sollte den ausbringen? Man hing dieser Frage mit einiger Sorge  nach  und  war  eigentlich  froh,  als  es  mit  einem  Male  hieß,  Gundermann  werde  sprechen. Zwar wußte jeder, daß der Siebenmühlener nicht ernsthaft zu nehmen sei, ja, daß Sonderbarkeiten und vielleicht sogar Scheiterungen in Sicht stünden;  aber man tr"stete sich, je mehr er scheitere, desto besser. Die meisten waren bereits in erheblicher Aufregung, also sehr unkritisch. Eine kleine Weile  verging  noch.  Dann  bat  Baron  Beetz,  dem  die  Rolle  des  Festordners  zugefallen  war,  für Herrn  von  Gundermann  auf  Siebenmühlen  ums  Wort.  Einige  sprachen  ungeniert  weiter,  "Ruhe, Ruhe!" riefen andre dazwischen, und als Baron Beetz noch einmal an das Glas geklopft und nun, auch  seinerseits  um  Ruhe  bittend,  eine  leidliche  Stille  hergestellt  hatte,  trat  Gundermann  hinter seinen Stuhl und begann, während er mit affektierter Nonchalance seine Linke in die Hosentasche steckte: "Meine  Herren.  Als  ich  vor  soundso  viel  Jahren  in  Berlin  studierte"  ("na  nu"),  "als  ich  vor Jahren in Berlin studierte, war da mal ‘ne Hinrichtung ..." "Alle Wetter, der setzt gut ein." "... war da mal ‘ne Hinrichtung, weil eine dicke Klempnermadamm, nachdem sie sich in ihren Lehrburschen  verliebt,  ihren  Mann,  einen  würdigen  Klempnermeister,  vergiftet  hatte.  Und  der Bengel war erst siebzehn. Ja, meine Herren, so viel muß ich sagen, es kamen damals auch schon dolle  Geschichten  vor.  Und  ich,  weil  ich  den  Gefängnisdirektor  kannte,  ich  hatte  Zutritt  zu  der Hinrichtung, und um mich rum standen lauter Assessoren und Referendare, ganz junge Herren, die meisten mit ‘nem Kneifer. Kneifer gab es damals auch schon. Und nun kam die Witwe, wenn man sie so nennen darf, und sah soweit ganz behäbig und beinahe füllig aus, weil sie, was damals viel besprochen  wurde,  ‘nen  Kropf  hatte,  weshalb  auch  der  Block  ganz  besonders  hatte  hergerichtet werden müssen. Sozusagen mit ‘nem Ausschnitt." "Mit ‘nem Ausschnitt ...; gut, Gundermann." "Und als sie nun, ich meine die Delinquentin, all die jungen Referendare sah, wobei ihr wohl ihr Lehrling einfallen mochte ..." "Keine Verspottung unsrer Referendare ..." "... Wobei ihr vielleicht ihr Lehrling einfallen mochte, da trat sie ganz nahe an den Schafottrand heran und nickte uns zu (ich sage ›uns‹, weil sie mich auch ansah) und sagte: ›Ja, ja, meine jungen Herrens,  dat  kommt  davon  ...‹  Und  sehen  Sie,  meine  Herren,  dieses  Wort,  wenn  auch  von  einer Delinquentin herrührend, bin ich seitdem nicht wieder losgeworden, und wenn ich so was erlebe wie heute, dann muß einem solch Wort auch immer wieder in Erinnerung kommen, und ich sage dann  auch,  ganz  wie  die  Alte  damals  sagte:  ›Ja,  meine  Herren,  dat  kommt  davon.‹  Und  wovon kommt es? Von den Sozialdemokraten. Und wovon kommen die Sozialdemokraten?" "Vom Fortschritt. Alte Geschichte, kennen wir. Was Neues!" "Es gibt da nichts Neues. Ich kann nur bestätigen, vom Fortschritt kommt es. Und wovon kommt der? Davon, daß wir die Abstimmungsmaschine haben und das große Haus mit den vier Ecktürmen. Und wenn es meinetwegen ohne das große Haus nicht geht, weil das Geld für den Staat am Ende bewilligt werden muß – und ohne Geld, meine Herren, geht es nicht" (Zustimmung: "ohne Geld h"rt die Gemütlichkeit auf") –, "nun denn, wenn es also sein muß, was ich zugebe, was sollen wir, auch unter derlei gern gemachten Zugeständnissen, anfangen mit einem Wahlrecht, wo Herr von Stechlin gewählt werden soll und wo sein Kutscher Martin, der ihn zur  Wahl gefahren, tatsächlich gewählt wird oder wenigstens gewählt werden kann. Und der Kutscher  Martin unsers Herrn von Stechlin ist mir immer noch lieber als dieser Torgelow. Und all das nennt sich Freiheit. Ich nenn’ es Unsinn, und viele tun desgleichen. Ich denke mir aber, gerade diese Wahl, in einem Kreise, drin das alte Preußen noch lebt, gerade diese Wahl wird dazu beitragen, die Augen oben helle zu machen. Ich sage nicht, welche Augen." "Schluß, Schluß!" 98
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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