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Der Stechlin

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"Ich  komme  zum  Schluß.  Es  hieß  anno  siebzig,  daß  sich  die  Franzosen  als  die  ›glorreich Besiegten‹  bezeichnet  hätten.  Ein  stolzes  und  nachahmenswertes  Wort.  Auch  für  uns,  meine Herren. Und wie wir, ohne uns was zu vergeben, diesen Sekt aus Frankreich nehmen, so dürfen wir, glaub’  ich,  auch  das  eben  zitierte  stolze  Klagewort  aus  Frankreich  herübernehmen.  Wir  sind besiegt, aber wir sind glorreich Besiegte. Wir haben eine Revanche. Die nehmen wir. Und bis dahin in alle Wege: Herr von Stechlin auf Schloß Stechlin, er lebe hoch!" Alles  erhob  sich  und  stieß  mit  Dubslav  an.  Einige  freilich  lachten,  und  von  Molchow,  als  er einen  neuen  Weinkübel  heranbestellte,  sagte  zu  dem  neben  ihm  sitzenden  Katzler:  "Weiß  der Himmel,  dieser  Gundermann  ist  und  bleibt  ein  Esel.  Was  sollen  wir  mit  solchen  Leuten?  Erst beschreibt er uns die Frau mit ‘nem Kropf, und dann will er das große Haus abschaffen. Ungeheure Dämelei.  Wenn  wir  das  große  Haus  nicht  mehr  haben,  haben  wir  gar  nichts;  das  ist  noch  unsre Rettung und die beinah einzige Stelle, wo wir den Mund (ich sage Mund) einigermaßen auftun und was durchsetzen k"nnen. Wir müssen mit dem Zentrum paktieren. Dann sind wir egal raus. Und nun kommt dieser Gundermann und will uns auch das noch nehmen. Es ist doch ‘ne Wahrheit, daß sich  die  Parteien  und  die  Stände  jedesmal  selbst  ruinieren.  Das  heißt,  von  ›Ständen‹  kann  hier eigentlich nicht die Rede sein; denn dieser Gundermann geh"rt nicht mit dazu. Seine Mutter war ‘ne Hebamme in Wrietzen. Drum drängt er sich auch immer vor." Bald nach Gundermanns Rede, die schon eine Art Nachspiel gewesen war, flüsterte Baron Beetz dem Alten-Friesacker zu, daß es Zeit sei, die Tafel aufzuheben. Der Alte wollte jedoch noch nicht recht, denn wenn er mal saß, saß er; aber als gleich danach mehrere Stühle gerückt wurden, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich anzuschließen, und unter den Klängen des "Hohenfriedbergers" – der  "Prager",  darin  es  heißt:  "Schwerin  fällt",  wäre  mit  Rücksicht  auf  die  Gesamtsituation vielleicht  paßlicher  gewesen  –  kehrte  man  in  die  Parterreräume  zurück,  wo  die  Majorität  dem Kaffee zusprechen wollte, während eine kleine Gruppe von Allertapfersten in die Straße hinaustrat, um da, unter den Bäumen des "Triangelplatzes", sich bei Sekt und Kognak des weiteren bene zu tun. Obenan saß von Molchow, neben ihm von Kraatz und van Peerenboom; Molchow gegenüber Direktor   Thormeyer   und   der   bis   dahin   mit   der   Festmusik   betraute   Lehrer,   der   bei   solchen Gelegenheiten überhaupt Thormeyers Adlatus war. Sonderbarerweise hatte sich auch Katzler hier niedergelassen (er sehnte sich wohl nach Eindrücken, die jenseits aller "Pflicht" lagen), und neben ihm,  was  beinahe  noch  mehr  überraschen  konnte,  saß  von  der  Nonne.  Molchow  und  Thormeyer führten das Wort. Von Wahl und Politik – nur über Gundermann fiel gelegentlich eine sp"ttische Bemerkung   –   war   längst   keine   Rede   mehr,   statt  dessen  befleißigte  man  sich,  die  neuesten Klatschgeschichten aus der Grafschaft heranzuziehen. "Ist es denn wahr", sagte Kraatz, "daß die sch"ne Lilli nun doch ihren Vetter heiraten wird, oder richtiger, der  Vetter die sch"ne Lilli?" "Vetter?" fragte Peerenboom. "Ach, Peerenboom, Sie wissen auch gar nichts; Sie sitzen immer noch zwischen Ihren Delfter Kacheln und waren doch schon ‘ne ganze Weile hier, als die Lilligeschichte spielte." Peerenboom  ließ  sich’s  gesagt  sein  und  begrub  jede  weitere  Frage,  was  er,  ohne  sich  zu schädigen,    auch    ganz    gut    konnte,    da    kein   Zweifel   war,   daß   der,   der   das   Lillithema heraufbeschworen, über kurz oder lang ohnehin alles klarlegen würd e. Das geschah denn auch. "Ja   diese   verdammten   Kerle",   fuhr   von   Kraatz   fort,   "diese   Lehrer?   Entschuldigen   Sie, Luckhardt,  aber  Sie  sind  ja  beim  Gymnasium,  da  liegt  alles  anders,  und  der,  der  hier  ‘ne  Rolle spielt, war ja natürlich bloß ein Hauslehrer, Hauslehrer bei Lillis jüngstem Bruder. Und eines Tages waren beide weg, der Kandidat und Lilli. Selbstverständlich nach England. Es kann einer noch so dumm sein, aber von Gretna Green hat er doch mal geh"rt oder gelesen. Und da wollten sie denn auch beide hin. Und sind auch. Aber ich glaube, der Gretna Greensche darf nicht mehr trauen. Und so nahmen sie denn Lodgings in London, ganz ohne Trauung. Und es ging auch so, bis ihnen das kleine Geld ausging." "Ja, das kennt man." "Und  da  kamen  sie  denn  also  wieder.  Das  heißt,  Lilli  kam  wieder.  Und  sie  war  auch  schon vorher mit dem Vetter so gut wie verlobt gewesen." "Und der sprang nu ab?" 99
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... und Wohnungseigentumsgesetz
von Helmut Köhler
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